Tomaten mit Schlagseite

Tomatenwildnis vor dem Wohnzimmerfenster. Sechs Pflanzen finden dort maximal Platz. Dafür stehen sie schön überdacht, gut gewärmt zur Südseite und trotzdem luftig. Foto: Marion Menrath

Tomatenwildnis vor dem Wohnzimmerfenster. Sechs Pflanzen finden dort maximal Platz. Dafür stehen sie schön überdacht, gut gewärmt zur Südseite und trotzdem luftig. Foto: Marion Menrath

Es ist wieder passiert. Dabei habe ich dieses Jahr extra den Sommerurlaub vorverlegt, damit ich im Hochsommer rechtzeitig zurück bin, um meine Tomatenpflanzen zu hätscheln und zu tätscheln. Als ich 2012 Ende August aus dem Urlaub zurückkam, erwartete mich nicht nur eine Tomatenschwemme, der ich nur noch mit Verschenken Herr wurde, sondern auch Pflanzen, die über die Brüstung vor dem Wohnzimmerfenster herunterhingen und eigentlich nur noch mit einem Kran oder akrobatischen Verrenkungen abzuernten waren. Nun beugt sich eine schwer beladene Pflanze der Sorte Schwarzer Prinz samt dem Anbindestab der Schwerkraft und hat schon schwer Schlagseite bekommen.
In diesem Jahr habe ich die Pflänzchen den ganzen August über sorgfältig ausgegeizt und mindestens einmal in der Woche irgendwelche Hängetriebe mit Bast festgebunden.
Nicht gerechnet habe ich aber mit meinem Hang zur Fleischtomate und der Kopflastigkeit der Pflanzen: Unten erst mal schön wuchern und im oberen Drittel dann Blüten ansetzen, das frustet den Gärtner.

Andenhorn

Andenhorn: Peruanische Tomatensorte, deren Form an eine Spitzpaprika erinnert. Leider habe ich den Hinweis missachtet, dass sie bis 18 Zentimeter lang werden – meine größten sind erst 14 Zentimeter. Foto: Marion Menrath

Die Sorte Andenhorn habe ich wegen der ausgefallenen, an Spitzpaprika erinnernden Form gekauft. Außerdem sollen die Früchte sehr kernarm und ideal zum Füllen sein. Nicht gerechnet habe ich damit, dass die Früchte 18 Zentimeter lang werden. Das stand vielleicht irgendwo im Kleingedruckten; aus den Fotos war das nicht unbedingt zu erschließen. Außerdem haben meine beiden Pflanzen gemeinsam vielleicht sieben Tomaten angesetzt, von denen man hoffen kann, dass sie irgendwann im September reif werden. Die vielen Blüten, die nun ganz oben erblühen, werden es wohl kaum noch vor dem Winter schaffen.
Dafür können aber die Tomaten nichts; denn nach dem völlig verregneten Mai habe ich es erst Anfang Juni geschafft, sie in die Erde zu bringen. Das rächt sich dann leider am Ende der Saison, die immer viel zu kurz ist. Im vergangenen Jahr habe ich am 28. Oktober, kurz vor dem Frost, alles was halbwegs groß war an Tomaten, abgeerntet und zum Nachreifen in den Keller gebracht. Die Flut an frischen Tomaten reichte dann noch bis in die erste Dezemberwoche.

Auriga

Auriga: Schöne, mild-fruchtige orange Tomatensorte. War bei mir als erste in dieser Saison erntereif. Sie stammt aus der ehemaligen DDR. Foto: Marion Menrath

Als erste reif geworden, ist dieses Jahr Auriga, eine orangene, alte DDR-Sorte mit relativ kleinen, aber vielen und sehr fruchtig-aromatischen Früchten. Bei Auriga bin ich aber froh, dass sie überdacht steht. Sobald man die Früchte wäscht, platzen sie auf. Außerdem zeigt die Pflanze leichte Anzeichen von Krautfäule. Bisher habe ich das in den Griff bekommen, indem ich befallene Blätter entferne. Aber für das Freiland scheint sich die Sorte nicht zu eignen.
Dort steht Philovita, die F1-Hybrid-Sorte mit multiplen Resistenzen, unter anderem gegen Braut- und Krautfäule. Wie immer hat sie nur sehr wenige Flecken auf den Blättern, obwohl sie ohne jeglichen Schutz im Regen steht. Doch auch Philovita ist spät in die Gänge gekommen; die ersten Tomätchen könnten nun bald reif sein. Wenn der September schön wird, geht da noch einiges.

Feuerwerk

Feuerwerk: Große russische, gelb-rot gestreifte Tomate. Foto: Marion Menrath

Am meisten freue ich mich auf Feuerwerk, eine alte, apart in gelb-rot gestreifte, russische Sorte. Meine Internetdealerin (öhm, habe ich schon erwähnt, dass die meisten dieser wunderbaren Tomaten hierzulande keine Sortenzulassung haben und wohl keine Aussicht, in der EU eine zu bekommen?) berichtet auf ihrer Seite mit etwas Wehmut davon, wie ihr Vater die Sorte Anfang der achtziger Jahre auf einem Bauernmarkt in Moskau entdeckt wird. Seitdem wurde sie auf der Datsche der Familie vermehrt. Meine einzige Pflanze hat acht dicke Früchte angesetzt, die jede eine kleine Mahlzeit versprechen.

Schwarzer Prinz

Schwarzer Prinz: Dunkle Fleischtomate aus Sibirien. Das dauert aber wohl leider noch, bis diese Tomaten ihrem Namen gerecht werden. Foto: Marion Menrath

Etwas vergriffen habe ich mich beim Schwarzen Prinz. Eigentlich habe ich einen kleineren Ersatz gesucht für die sehr leckere, aber großfrüchtige Sorte Schwarze Krim. Prinz klang irgendwie niedlich und auf einigen Seiten waren relativ handliche, dunkle Tomaten abgebildet. Bekommen habe ich jedoch eine weitere dicke Fleischtomate, deren dichter Fruchtbesatz nun die Pflanzen samt Anbindestab zum Kippen bringt. Die ersten Samenkäufe für nächstes Jahr sind also schon fest geplant: Black Cherry oder Black Plum, beides dunkle Cocktailtomaten, müssen her!

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