Goldener Oktober für Insekten

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Efeublüten ziehen im Herbst die Insekten an. Foto: Marion Menrath


Wer hätte das gedacht: Ein ganzer Tag Sonne am Samstag, ohne eine einzige Wolke am Himmel, nach einem bisher enttäuschenden Herbst. Den Winzern hilft das leider nicht mehr viel: An der Hessischen Bergstraße geht die Weinlese nächste Woche in die Schlussphase. Die Erntemengen sind wegen des kalten und nassen Frühlings mau. Weil viele Blüten nicht befruchtet wurden, fielen sie ab wie beim Riesling oder es bildeten sich wie bei Burgundersorten kleine, kernlose Jungfernfrüchte. Qualitativ soll der Jahrgang aber ganz ordentlich werden. Und wer noch Federweißen will, muss sich sputen: In Heppenheim reicht der Vorrat wahrscheinlich nur noch bis Anfang nächster Woche: Noch weniger Trauben

Doch für Bienen, Hummeln und andere Insekten war heute ein Festtag. Bei Temperaturen bis 20 Grad summten sie um den üppig blühenden Efeu herum. Die Arzneipflanze des Jahres 2010 ist mit der späten Blütezeit in September und Oktober nahezu konkurrenzlos. Zwar kann ich noch einige Herbstastern und Löwenmäulchen bieten und auch die Katzenminze hat eine zweite Blüte eingeschoben. Aber wenn Hedera Helix blüht, ist alles andere abgemeldet.

Sogar ein Admiral ließ sich heute blicken. Leider war er etwas fotoscheu, so dass ich nur ein leicht unscharfes Bild mit halb zugeklappten Flügeln präsentieren kann. In meinem leicht antiquarischen Insektenbuch von 1984 steht noch, dass der Wanderfalter jedes Jahr aus dem Mittelmeerraum nach Mitteleuropa kommt. admiral
Doch das scheint sich geändert zu haben. Längst gibt es in Deutschland stabile Populationen mit hier überwinternden Falter. Jetzt fliegen die Falter im Sommer bis Südskandinavien.

Doch zurück zum Efeu: Von den Beeren zehren Amseln und andere Weichfresser unter den Vögeln den halben Winter über. Für Menschen sind sie wie alle Pflanzenteile giftig. Wobei mal wieder alles eine Frage der Dosis ist: Extrakte aus den Blättern werden, weil sie schleim- und krampflösend sind, bei Husten eingesetzt.

Efeu wächst bei mir vor allem auf dem Gartenzaun und da dieser sich an der gesamten Einfahrt entlang zieht, kommen einige Meter zusammen. Nur das letzte Stück musste der Efeu an den Schlingknöterich abtreten, der noch schlimmer wuchert, aber keine Schäden anrichtet. Efeu hält man dagegen wegen der Haftwurzeln besser von Hauswänden fern.

Die Efeublüten erscheinen übrigens nur an den Alterstrieben, die durch ovale statt den üblichen Efeublättern sofort auffallen. Die Pflanze muss wohl mindestens fünf, eher acht bis zehn Jahre alt sein, bevor sie blüht. Alterstriebe sollen nicht mehr klettern.
Doch leider bringt meine Hecke auch ständig neue Jungtriebe hervor, die klammheimlich in den Beeten wurzeln. Insgeheim scheint die Pflanze nach der Weltherrschaft zu streben: Nur im Schatten von Eibe und Weigelie schwächelt sie etwas. Auf dem Kiefernbaumstumpf ist dagegen noch unklar, wer gewinnt: Efeu oder Rambler-Kletterrose.

2 thoughts on “Goldener Oktober für Insekten

  1. Blüht jeder Efeu oder kommt es auf die Art an? Ich habe unseren Efeu noch nie blühen sehen, aber vielleicht hat er auch einfach nicht genügend Kraft dazu.
    Viele Grüße, Katja

    • Puuh, schwierige Frage. Es soll so um die 400 verschiedene Efeusorten geben. Die Blühfähigkeit hängt auch mit dem Alter zusammen. Die meisten Artikel gehen von einem Mindestalter von acht bis zehn Jahren aus, bevor zum ersten Mal Blühsprosse entstehen. Ich habe auch schon von 20 Jahren gelesen. Danach kann der Efeu jährlich blühen. Wenn mein Efeu noch von den Vorvorgängern stammt, könnte er bis zu 30 Jahre alt sein. Ich muss auch mindestens einmal im Jahr mit der Machete durch – sonst überwuchert er die Einfahrt. Am Maschendrahtzaun sehe ich ihn gerne – nicht aber auf den angrenzenden Beeten, wo auch andere Pflanzen eine Chance bekommen sollen.

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