Fundstücke der Woche: Mogelpackungen von Werbetextern

Ist das nicht ein Widerspruch in sich? Foto: Görtz

Ist das nicht ein Widerspruch in sich? Foto: Görtz

(dh). Klar, Werbung will in erster Linie auffallen und soll immer etwas verkaufen. Oft ist es ja dann einfach auch nur eine Geschmacksfrage, wie man eine bestimmte Werbung beurteilt. Aber in letzter Zeit häufen sich Beispiele, bei denen man nicht anders kann, als sie als Mogelpackungen zu bezeichnen – weil die Fakten nicht stimmen und falsche Behauptungen aufgestellt werden. Ein Schelm, wer dabei Absichten vermutet? Bei drei Beispielen aus jüngster Zeit kann man das diskutieren:

Görtz-Werbung für Schuhe und Taschen unter der Überschrift „PUNK DE LUXE“:
Ein paar Nieten, Schnallen, Ösen und Ketten mit schwarzem Leder kombinieren – und fertig ist das Punk-Produkt? Vielleicht funktioniert das für Leute mit beschränktem Geschichtsbewusstsein und fehlendem jugendkulturellen Wissen. Allen anderen müsste auffallen, dass „Punk De Luxe“ ein Widerspruch in sich ist. Und die Kommerzialisierung dieses kommerzkritischen Lebensstils ist einfach nur ärgerlich.

Werbung für "Gone Girl". Screenshot: dh

Werbung für „Gone Girl“. Screenshot: dh

Werbung für den Kinofilm „Gone Girl“ von David Fincher:
Meistens sind die verwendeten Presse-Zitate ja völlig austauschbar und bestehen nur aus kurzen Superlativ-Konstruktionen. Dass man allerdings die BILD-Zeitung zitiert, die den Film als Mystery-Thriller einstuft, spricht nicht für sehr viel Fachkenntnis bei den Werbeleuten. Es ist schlichtweg eine falsche Genre-Einteilung, weil „Gone Girl“ rein gar nichts mit übernatürlichen oder unerklärlichen Phänomenen zu tun hat, um die es bei Mystery-Thrillern geht. Dies wird dem Film in keinster Weise gerecht, schürt falsche Erwartungen und schadet ihm dadurch eventuell sogar.

Ausschnitt von der Website des Films. Screenshot: dh

Ausschnitt von der Website des Films. Screenshot: dh

Werbung für den Kinofilm „Am Sonntag bist du tot“:
Noch schlimmer ist es bei diesem demnächst anlaufenden Priester-Drama, das als Komödie vermarktet wird – wahrscheinlich, weil man vom Erfolg des Vorgängerfilms „The Guard“ profitieren will, in dem ebenfalls Brendan Gleeson die Hauptrolle spielte und der vom selben Regisseur war. „Am Sonntag bist du tot“ glänzt zwar in der Tat auch mit schwarzem Humor, ist aber insgesamt todernst und auf gar keinen Fall eine Komödie. Im Original heißt er „Calvary“ – wie der Berg, auf dem Jesus gekreuzigt wurde -, was schon andeutet, um was es eigentlich geht. Wie reagieren da Zuschauer, die etwas Witziges erwartet haben? Oder noch schlimmer: Am Ende halten manche Leute das Gesehene vielleicht sogar für lustig, weil es ja laut Werbung eine Komödie sein soll! Da kann man wirklich nur verständnislos mit dem Kopf schütteln …

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