Würde statt Wahnwichte

Es gibt Wochen, in denen bekommst du Hilferufe.

Folgendes Schreiben ging dieser Tage in der Redaktion ein: „Ich bin dann mal weg. Elizabeth Regina.“ Oha. Die Queen haut in den Sack. Ganz ehrlich: Vollstes Verständnis. Was hat diese Frau nicht alles er- und überlebt. Den zweiten Weltkrieg, den Zusammenbruch des Empire, BSE und den Elfmeter von Chris Waddle 1990 – das langt eigentlich für zwei Leben.

Und was hat sie gemacht? Gelächelt, streng geschaut, nachdenklich geblickt – aber immer geschwiegen. Was sie gedacht hat blieb immer ihr Geheimnis. So wie es eiserne Regeln festlegen: Sie muss da sein, den Laden zusammenhalten – eine muss es ja machen.

Aber dann, wenn du glaubst, dass du selbst als Königin so langsam alles erfolgreich durchgeschwiegen hast, kommt eine Bande ewiger Pennäler, denen der goldene Löffel, den sie seit ihrer Geburt im Mund haben, maßgebliche Teile der Hirnleistung mit Schwermetallpartikeln verkleistert hat, und macht die alte Dame zum Teil ihres würdelosen Schmierentheaters, das sie Brexit nennen.

Aber da macht Elizabeth Regina jetzt nicht mehr mit. Was für ein smarter Schachzug. Die  Schnöselzocker aus der Downing Street schauen ziemlich belämmert aus der Wäsche. Ihr schlecht zusammengeträumter Rückfall ins 19. Jahrhundert macht ohne das oberste Symbol dieser Epoche ungefähr so viel Sinn wie Clotted Cream ohne Scones – also gar keinen.

In London bricht daraufhin komplette Panik aus. Boris Johnson versucht verzweifelt, die Insel als 51. Bundesstaat der USA an Donald Trump zu verkaufen. Aber obwohl er echte Discounter-Konditionen aufruft, winkt Trump ab: „Sorry, ich mache nur Deals mit Leuten, die nicht alle 20 Minuten nachverhandeln wollen.“ Daraufhin ruft Nigel Farage bei seinem Mentor Wladimir Putin an, aber auch der klingt irgendwie reserviert: „Warum soll ich kaufen, was mir eh schon gehört? Wann hast du eigentlich das letzte Mal in Londoner Grundbuchauszüge geschaut, du Komiker?“

Also kommt es zum Äußersten: Irgend jemand muss Jacob Rees-Mogg wecken. Sie wissen schon, der Schnösel, der seine Verachtung für die Demokratie demonstrativ in Schlaf zu kleiden weiß. Aber auch das bringt nichts. Zwar gelingt es dem diensthabenden Praktikanten, das Aristokraten-Abziehbild wach zu bekommen. Aber als Rees-Mogg dann kapiert, was man von ihm will, hebt er nur indigniert die Augenbrauen: „Echte Arbeit? Ich? Das Plebs-Gewürm belieben zu scherzen. Und nun hinfort, ich muss für die nächste Bridge-Partie kontemplieren.“

Tja, und da wird er dann abgeblasen, der Brexit. Und … oh, jetzt sind es wir, die geweckt werden. Schade, war nur ein Traum. Die Queen wird natürlich das tun, was sie immer tut: schweigend weiter da sein und so ihre Würde behalten. Bis die würdelosen Wahnwichte, die gerade Schlagzeilen machen, sich von ganz alleine erledigt haben. Abwarten und Tee trinken – es gibt eben britische Tugenden, die kommen nie aus der Mode.

Wir brühen also jetzt einen Darjeeling auf und warten – bis nächste Woche.

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>