Wind of Blackout

Es gibt Wochen, in denen bekommst du ein Fax auf den Schreibtisch.

Ein Fax. Ein Stück Papier. Von Christian Lindner. Dem digitalen Oberchecker der deutschen Spitzenpolitik. Auf dem Papier steht, was er im Dialog mit einer der Redaktion namentlich bekannten ehemaligen Mühltaler Bürgermeisterin einer Jamaika-Koalition hinterhergerufen haben will. Oder auch nicht.

Der erste, der jetzt sagt „Nur Faxe sind doch rechtssicher“, muss den Satz „Das zeigt doch nur, was wir für ein Entwicklungsland sind“ 500 Mal von einem Whiteboard absenden.

Der Vorfall zeigt, was immer noch DAS Thema ist: das Nichtvorhandensein einer Regierung in Berlin. Tja, liebe SPD, das nennt man dann wohl A… karte.

Aber konstruktiv, wie wir sind, geben wir jetzt vor dem Parteitag ein wenig Entscheidungshilfe: Wie könnte denn, wenn die Delegierten Parteichef Martin Ohneland die Gefolgschaft verweigern, eine Regierung ohne die SPD aussehen? Außenminister zum Beispiel: Das würde dann der Seehofer. Der ist eh schon so weit draußen, das qualifiziert ihn in seinen Augen ebenso automatisch wie hinreichend.

Finanzminister: Für den Posten bittet die ewige Kanzlerin ihre Kumpels beim Deutschen Fußball-Bund um Hilfe. Die sagen „Kein Problem, nehmen Sie den Bierhoff. Der ist Diplom-Kaufmann und sieht trotzdem immer frisch geduscht aus. Nicht so zerknittert wie der Schäuble.“

Wirtschaftsminister: Gerhard Schröder. Dem wird es in Russland bestimmt bald zu kalt. Oder zu heiß. Egal, was das Wort „Parteibuch“ im tieferen Sinn bedeutet, weiß er so oder so längst nicht mehr. Außerdem ist er preiswert, er macht den Job für ne Pulle Bier. Das freut bestimmt auch den Bierhoff.

Verteidigung: Nach dem misslungenen Experiment mit Frau von der Leyen setzt die Kanzlerin wieder auf in diesem Ressort traditionell gefragte Werte: Abschreckung und Angstfreiheit. Und schon bekommt Tim Wiese den Zuschlag. Bei der Vereidigung fragt er, wo er als erstes zuschlagen soll.

Nicht im Bildungsministerium. Dort soll künftig Alexander Dobrindt den Slogan vom lebenslangen Lernen am eigenen Leib praktisch erfahren. Zuviel Radau stört da ganz entschieden.

„So“, denkt die Kanzlerin, „und jetzt noch ein bisschen Glamour in die Hütte.“ Also Kultur. Ihre Wahl fällt auf Klaus Meine von den Scorpions. Der singt dann so lange „Wind of Change“, bis vor lauter Ohrenschmerzen garantiert niemand mehr merkt, dass in diesem Land schon lange kein frischer Wind mehr weht. Auch nicht aus dem Faxgerät.

Also, liebe SPD: Dieses Alternativkabinett kannst du auch haben. Und wir mit dir. Beeinflussen wollen wir dich mit dieser Aussicht aber nicht. Nein, wirklich nicht. Liest sich doch alles ganz passabel. Die bis heute beste Platte der Scorpions heißt übrigens „Blackout“. Gerüchteweise überlegt man im Kanzleramt, auch den nächsten Koalitionsvertrag so zu überschreiben. Wie gesagt: Niemand hat vor, jemand beeinflussen zu wollen.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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