Wie Politik was gebacken bekommt

Es gibt Wochen, in denen gehst du zum Bäcker.

Du deutest auf ein belegtes Brötchen, das du gerne hättest. Antwort der freundlichen Verkäuferin: „Meinen Sie das Sieben-Kräuter-Haferli mit Möhren-Mus oder das Dinkel-Doppelchen mit Bio-Körnern? Das müsste ich schon wissen.“ Du, verwirrt: „Das da. Das mit dem Käse.“ Allgemeines Beleidigt-Sein hinter, zunehmend schlechte Laune vor der zum Bersten mit Backwerk beladenen Theke.

Die Szene erinnert an das, was sich derzeit zwischen Politik und Wahlvolk abspielt. Es wäre wirklich unfair, zu behaupten, dass Merkel, Scholz und andere gar nichts mehr gebacken bekämen. Aber sie bekommen es nicht mehr verkauft. Und der Bürger steht mürrisch vor einer prall gefüllten Auslage, die Menschen aus anderen Ländern Tränen in die Augen treibt.

Die neuerliche Debatte um Armut und Hartz IV zum Beispiel. Kein Mensch behauptet, dass die Transferleistungen ein rundum sorgenfreies Leben ermöglichen. Das sollen sie auch nicht. Aber trotzdem ist unser Sozialsystem, das ja schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat, so gut wie noch nie. Und dennoch fallen wir auf Demagogen von rechts und links herein, die uns einreden wollen, wir stünden kurz vor der flächendeckenden Verelendung.

Oder unser Bildungssystem. Ja, es hat üble Macken. Vor allem Umzüge in ein anderes Bundesland sind eine Zumutung. Und trotzdem produziert dieses System verlässlich immer neue Talente, die uns trotz China den Titel eines Exportgiganten weiterhin quasi im Abonnement bescheren.

Oder die Energiewende. Ja, sie kam überstürzt, ist teuer und ist beileibe nicht an jeder Stelle vollends durchdacht. Kann sie auch gar nicht. Wir betreten mit ihr echtes Neuland, ohne das Ziel schon zu sehen. Das langt Apokalyptikern, Vollpension-Bürokraten und Konzern-Lobbyisten, um uns regelmäßig den Mega-Blackout zu prophezeien. Er wird nicht kommen. Weil wir uns das, was wir tun, leisten können. Und vielleicht finden wir sogar als erste die Welt nach Kohle, Öl und radioaktivem Müll. Wäre doch toll. Dann müssten wir nur noch saubere Autos bauen.

Drei völlig spontan herausgegriffene Beispiele. Sie müssen nicht jedem gefallen, aber es gibt sie. Das ist wie beim Bäcker: Man muss ja auch nicht alles gerne essen, was da liegt. Aber es ist für jeden was dabei. Wer müsste also jetzt zur Verbesserung der Laune etwas tun? Richtig, Personal und Kunde gleichermaßen.

Nicht „Das heißt Sieben-Kräuter-Haferli“, sondern „Das Sieben-Kräuter-Haferli wird gemacht aus und könnte für Sie besonders gut sein, weil …“ So geht Verkaufen. Und der Kunde könnte einfach zwei Schritte zurücktreten. Dann sieht er viel besser, was da alles vor ihm liegt. Und hört auf, sich nach ömmeligen Simpel-Käsebrötchen zu sehnen, mit denen früher angeblich alles besser war.

Man wird sich ja wohl mal was wünschen dürfen. Jetzt, wo neues Verkaufspersonal hinter der Berliner Theke steht.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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