Wenn der Covfefe was will

Es gibt Wochen, in denen lernst du neue Worte.

Covfefe zum Beispiel. Für die, die es nicht mitbekommen haben: Donald „Ich regiere per Twitter“ Trump hatte mal wieder damit angefangen und … mit Covfefe aufgehört. Wie ein rätselhafter Monolith stand er auf einmal da, der Tweet der Woche: „Trotz der ständig negativen Presse Covfefe“.

Erste Reaktion besorgter Leser: Jemand möge doch bitte mal an die Tür des präsidialen Schlafzimmers klopfen, ob darin noch alles im grünen Bereich sei. War es dann wohl. Denn irgendwann ging das Twittern weiter.

Das wäre der Punkt gewesen, wo man das Thema hätte zu den Akten legen können. Der Donald ist nicht der Erste, der beim Abfassen wichtiger Botschaften mal kurz weggesackt wäre. Gut, früher, als dem ollen Hemingway nach dem 83. Cuba Libre der Kopf auf die Schreibmaschine knallte, war das nur für ihn blöd. Wenn dir heute auf der virtuellen Tastatur der Finger verrutscht, liest die halbe Welt mit. In die jüngere politische Fachliteratur ist dieser Umstand als „Beatrix- von-Storch-Phänomen“ eingegangen.

Also Schwamm drüber, und alles wäre gut gewesen. War’s aber nicht. Denn: Auftritt Sean Spicer, Trumps Sprecher. Er klärte uns auf: Covfefe sei ein ganz geheimer Begriff, dessen wahre und tiefe Bedeutung ob eben dieser Bedeutung nur ganz wenigen bedeutenden Personen ein Begriff sei.

So, liebe Laienspielschar vom Volkstheater Fröhliche Trümmertruppe, es reicht jetzt. Der amerikanische Wähler hat euch ins Weiße Haus gebeten. Das ist seltsam, aber grundsätzlich in Ordnung. Auch dass ihr da euer eigenes Ding durchziehen wollt – eure Sache. Aber hört bitte auf, uns vera… zu wollen. Es gibt Grenzen.

Obwohl … am Ende bedeutet das ja doch was. Und wie fing der Tweet noch mal an? „Trotz der ständig negativen Presse“. Hm. Was sind das eigentlich für Uniformierte da vor dem Haus? Und was tragen die für Schilder an ihren Hemden? Darauf steht … COVFEFE.

Covfefe. Council on various free enemy forces everwhere. Also grob übersetzt: Das Gremium zum angemessenen Umgang mit Trumps Feinden überall auf der Welt, die überraschenderweise noch frei herum laufen.

Wir sind nicht seine Feinde. Wir verstehen ihn halt nur nicht. Mal sehen, ob das diese uniformierten Typen verstehen. Sie kommen jetzt die Treppe hochgestürmt.

Ok, sicherheitshalber beeilen. War sonst noch was los in der Woche? Bund und Länder haben ihre Finanzbeziehungen endlich neu geregelt. Check. In Großbritannien bekommen immer mehr Menschen Zweifel am Brexit. Check. Der Bundestag hat endlich Kinderehen verboten. Check.

Jetzt steht der Covfefe-Typ vor dem Schreibtisch und hält ein Schild hoch. Ich soll hundert Mal schreiben „Donald Trump ist der klügste und reflektierteste Präsident, den die USA je hatten“.

Nein.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche. Hoffentlich.

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>