Weltrettung für 16 Euro

Es gibt Wochen, in denen kaufst du dir eine CD.

Nicht aufgrund des zunächst unbekannten klanglichen Inhalts, sondern aufgrund einer Rezension: Besagter Inhalt sei so überirdisch schön, dass er sogar Außerirdische auf einer Strafexpedition davon abhalten könne, unseren Planeten zu zerstören. Weil die Musik Beleg dafür sei, dass doch nicht alles schlecht sei bei uns.

Also 16 Euro investiert, Mucke aufgedreht, Planet gerettet. Ziemlich gute Investition. Da sind wir trotz des Unsinns, den wir als Spezies so anrichten, billig davon gekommen. Aber, verehrte intergalaktische Polizisten: Den Trump schenken wir euch trotzdem. Nehmt ihn bitte mit. Der ist eh nicht von dieser Welt.

So, das wäre das. Man muss ja schließlich immer an die Zukunft denken. Also auch und gerade an unsere Kinder. Ein Herz für Kinder hat jetzt auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier: Er hat die Kitagebühren aufgegessen, die ansonsten den Eltern weiter schwer im Magen gelegen hätten.

Bouffier hat mit Sicherheit tatsächlich ein Herz für Kinder, das wollen wir ihm nicht absprechen. Aber mit seiner Kita-Nummer hat das nichts zu tun. Da hat er vor allem ein Herz für Wähler gehabt.

Etwas herzlos behandelt fühlen sich kommunale Kämmerer, die jetzt Angst haben, die Zeche zahlen zu müssen. Oder das Erziehungspersonal, dessen mitunter haarsträubende Arbeitsbedingungen sich zumindest nicht automatisch verbessern, wenn die Gratiskultur Einzug hält.

Und was machen die Eltern? Die packen den Taschenrechner aus und überlegen, ob knapp es 5000 Euro, verteilt auf drei Jahre, wert sind, Lebens- und Familienmodelle zu überdenken. Oder ob sie nicht doch ganz einfach lieber bessere Kitas mit besseren Zeitbudgets hätten.

Ganz eindeutig zu viel Zeit hat man in London. Seit ziemlich genau fünf Monaten soll es jetzt aber sowas von raus aus der EU gehen. Nur wie wissen wir immer noch nicht. Der Plan, den uns Brexit-Frontfrau Theresa May dazu bislang präsentiert, ist dünner als ein Ale, in das es seit zwei Stunden hinein regnet.

Das merkt jetzt auch so langsam der eine oder andere Firmenchef auf der Insel, der Europa nicht für eine ansteckende Krankheit hält. Sie verschieben fröhlich Personal auf den Kontinent und damit auch zu uns. Zehntausende Zuzügler könnten es werden.

Könnte eng werden. In den Kitas. Oder in noch annähernd bezahlbarem Wohnraum.

Wir sehen schon die Annoncen für ausreisewillige Ale-Trinker: „Kommen Sie nach Rhein-Main. Zwei-Zimmer-Wohnung, nur fünf Minuten vom Badezimmer entfernt, nur zweitausend Euro kalt. Aber die Kitas sind für umme.“

Was ist denn das da am Horizont? Ein Ufo? Schnell die CD anwerfen! Okay, Entwarnung. War nur eine Wolke über Wiesbaden. Dort raucht den Grünen in einem Seminar der Schädel. Titel des eilig anberaumten Treffens: „Wie vermeiden wir in Zukunft, dass andere uns bei ureigenen Themen gründlich die Butter vom Brot nehmen?“

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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