Weißbier statt Wasserstoff

Es gibt Wochen, in denen muss man desinfizieren.

Zunächst einmal die eigene Wahrnehmung. Man neigt ja mittlerweile dazu, in Bezug auf besonders große Geister unserer Zeit nicht mehr sofort alles zu reflektieren, was diesen Geistern an neuerlichen Großtaten so zugeschrieben wird. Aber diese Meldung war dann doch rekordverdächtig: Der professionell Probleme perforierende Pandemie-Papst Donald T. aus W. empfahl uns, darüber nachzudenken, ob man Corona-Infizierten nicht Desinfektionsmittel spritzen könne. Frei nach dem Motto: Wenn du Probleme schon nicht einfach wie immer erschießen oder mit einem Handelsembargo erwürgen kannst, kannst du wenigstens versuchen, es anderweitig final zu lösen.


Was unweigerlich der Fall wäre. So eine gezielte Behandlung mit hoch dosiertem Ethanol, Wasserstoffperoxid und Glycerol halten nur diejenigen von uns aus, die bis ins Irre impertinent ignorant imprägniert sind. Für alle übrigen außer dir, lieber Pandemie-Papst, solltest du am besten pronto einen von deinen amtlichen Wunderheilern bestellen. Einen von denen, die den direkten Draht zu Gott haben und deshalb die Seuche wegsingen können.

So langsam fragt man sich wirklich, ob die im Oval Office den Bourbon im Schnapsschrank durch Verdünner ersetzt haben. Gottlob gibt es da noch andere Großmächte auf der Welt. Sie informieren transparent und agieren im Geist aufgeklärter Freiheit als absolut altruistische Anwälte aller Abhängigen. Also Mächte wie China. Moment bitte …

… so, ich musste kurz die Tastatur wechseln. Auf der alten stand „Made in China“, die funkt bestimmt alles, was ich tippe, an den Großen Bruder. Jetzt benutze ich eine aus Bundeswehrbeständen. Die ist so alt, die weiß gar nicht, wie funken funktioniert.

Aber sie funktioniert. Und deshalb hier jetzt noch eine irgendwie erwartbare Nachricht: In Wuhan, dem Epizentrum der Seuche, wurden jetzt einige Opfer nachgemeldet. So viele wie bis jetzt insgesamt. Toll, diese Transparenz. Das schafft Vertrauen!

Also irgendwie vertraue ich dieser Tastatur auch nicht so ganz. Muss man wohl mit leben. Rest-Unsicherheit ist der neue Goldstandard. Auch wenn da nicht jeder mit umgehen kann. Deshalb lobe ich mir dann doch das koordinierte Bemühen der Bundesländer, uns doch einige Leitplanken mitzugeben. Etwa beim Thema Masken: In Rheinland-Pfalz musst du sie nur dann aufsetzen, wenn du als Hesse nicht zuvor an ungeraden Kalendertagen bayerisches Weißbier-Sorbet aus einer von Sachsen betriebenen Eisdiele in einem in NRW produzierten Auto an deinen Cousin aus dem Saarland verschenkt hast. Das ist doch nun wirklich ganz einfach! Oh, neueste Info: Wenn das Auto bei dieser Übergabe vor einem Brandenburger Baumarkt stand, den ein Thüringer Unternehmer mit niedersächsischen Leiharbeitern hochgezogen hat, hast du ohne Maske ab sofort in Baden-Württemberg Einreiseverbot. In Bremen aber nur bei Vollmond, und in Berlin ist wie immer alles egal.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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