Weicheier in der Wagenburg

Es gibt Wochen, die sind einfach unprofessionell.

Und deshalb verleihen wir hier erstmals an dieser Stelle die neue Auszeichnung des „Goldenen Kolbenfressers“ für besonders fehlgezündete Öffentlichkeitsarbeit. Er geht zur Premiere an den Verband der Automobilindustrie.

Eigentlich haben die PS-Lobbyisten ja schon genug an der Hacke. Dieselgate, SUV-Debatte, Klimademonstrationen – eigentlich sucht man da Deckung. Oder Freunde. Oder beides. Was in solchen Situationen aber auf alle Fälle kontraproduktiv ist: den Oberbürgermeister, in dessen Stadt man zu_Gast ist, nicht ans Mikrofon lassen. Klar, man wusste, was er wollte: Der Peter wollte ganz, ganz böse Sachen sagen. Mehr Busse und anderen Müsli-Murks. Das erträgt man wie einen kurzen Regenschauer, lächelt, und gut ist. Also Profis machen das so. Amateure hingegen lamentieren, der OB sei nicht eingeladen gewesen und kreieren so ein bombensicheres, tagelanges Kommunikationsdesaster. In dessen Mitte die Frage, warum Herr Feldmann eigentlich eine Rede schreiben sollte, wenn er doch das sichere Wissen hat, sie nie halten zu können, bis heute nicht beantwortet ist.

Dabei gibt sich die Auto-Armada doch gerade so viel Mühe, ein grünes Mäntelchen umzuhängen. Von Anfang an blöd: Es ist zu klein, um die Breitreifen der 500-PS-Boliden zu tarnen, die immer noch in Frankfurt herumstehen. Also, liebe Zampanos des Zylinder-Zirkus, entscheidet Euch. Seid entweder richtig öko oder bleibt bruddale Benzin-Buddys, aber seid authentisch. Das mit dem Feldmann geschieht Euch nur recht. Wenn man vor lauter Fähnchen-in-den-Wind-hängen herumeiert wie das Fahrwerk eines Buick aus den Siebzigern, reichen schon drei Minuten Dudu vom Frankfurter Scholles offenbar für so viel Angst, dass man endgültig aus der Kurve fliegt.

Wie schlimm es um die IAA steht, sieht man daran, dass sogar der Darmstädter Oberbürgermeister … Moment bitte, das Telefon klingelt. Donald, alter Partycrasher. Wie meinen? Bei dir wäre das nicht passiert? Schon klar, Du wärst mit dem Buick auf die Messebühne geballert, an jedem Kotflügel ein aufgespießtes Fahrrad. Du glaubst ja im Gegensatz zum vernünftigen Teil der Menschheit nicht an Klimawandel. Du wandelst lieber das Klima.

Seit dieser Woche nämlich sind die USA Exportweltmeister._Nein, nicht in Sachen Strafzölle, sondern in Erdöl. Der Donald lässt nämlich fracken, bis der Wald um Hilfe keucht. So als Baum hast du mittlerweile die Wahl: Du kannst dich wegen Erderwärmung kochen, von den Bolsonaros dieser Welt abfackeln oder über den Umweg einer Palmölplantage zu Nutella verarbeiten lassen.

Heute demonstriert übrigens Greta Thunberg vor dem Weißen Haus. Dass sie dabei Alexandras prophetisches „Mein Freund der Baum ist tot“ in Endlosschleife Richtung Oval Office klagen lässt, ist ein leider nur ein Gerücht. Sie hat den Song nämlich nicht auf ihrer Spotify-Liste. Aber immerhin darf sie dort reden. Weil sogar der Donald tatsächlich cooler ist als unsere Wagenburg-Weicheier.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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