Weiche Waffeln in Wallonien

Es gibt Wochen, die sind einfach rätselhaft.

Zum Beispiel beim Thema Ceta. Nach dramatischem Hin und Her fallen sich nun alle weinend in die Arme, und alles wird gut. Warum nur? Wegen einer dünnen Zusatzerklärung, die drei Millionen wackere Wallonen jetzt dem Rest der Welt abgetrotzt haben? Ganz bestimmt nicht.

Dass den Wallonen ein lebenslanges Recht auf gentech-freie Pommes zugestanden worden sei, ist in diesem Zusammenhang ein Gerücht, dass wir auch nach gründlichster Recherche als unhaltbar zurückweisen müssen. Ebenso jenes, dass der kanadische Premier Justin Trudeau versprechen musste, zum nächsten Carnaval de Québec als belgische Waffel zu gehen.

Da hätte er auch ganz schön einen an der Waffel, wenn er das täte. Nicht, weil er ganz schön frieren würde. Das auch, handelt es sich doch um einen Winterkarneval. Nein, vor allem deshalb, weil Ceta schlicht noch längst nicht fertig ist. Das belgische Papierchen hat nur dem Teil des Abkommens den Weg geebnet, dem die EU zustimmen muss. Andere, große Teile müssen noch durch die nationalen Parlamente. Das kann durchaus noch Jahre dauern. Dagegen war Wallonien so schnell gegessen wie besagte Waffel.

Warum also – um zur Ausgangsfrage zurückzukommen – fallen sich jetzt alle in die Arme? Weil bei Ceta etwas funktioniert hat, was eigentlich völlig normal ist. Das Abkommen ist ein Kompromiss. Und es scheint zunehmend schwieriger zu werden, Kompromisse zu erzielen. Gut, die Materie war und ist komplex. Aber das Problem lag – und liegt – auch noch an anderer Stelle.

Die Diskussion lief wie so viele überfrachtet mit maximal schwarz-weiß gezeichnetem Verlauf und ebenso maximal hochgeschraubten Erwartungen. Das führt in Demokratien aber nur in den seltensten Fällen an ein Ende. In aller Regel muss jeder zu- und abgeben. Und das, was dann als Kompromiss möglich ist, muss man wollen. Aushalten. Ertragen. Ist so. Da können Lobbyisten gleich welcher Seite noch so herumlärmen.

Wir werden trotzdem nicht müde werden zu recherchieren, ob belgisches Kirschbier nicht doch einen Verstoß gegen die Haager Landkriegsordnung darstellt. Ceta hin, Ceta her.

Hin und her ging es mal wieder bei VW. Erst dachte man, für bescheidene 15 Milliarden Dollar sei zumindest in den USA das Thema Dieselskandal abgehakt. Jetzt kommt die EU und warnt vor Motorschäden. Verbraucherschützer wollen Garantien. Die VW nicht geben will. Das kann also noch heiter werden.

Sollte VW in nächster Zeit bekannt geben, den Firmensitz nach Kanada zu verlegen, wissen wir, was der Ceta-Kompromiss wert war und dass diese wallonischen Weichwaffeln gefälligst härter hätten verhandeln sollen.

Die EU stützt sich bei ihrer Einschätzung auf ein renommiertes italienisches Labor. Nach dem Motto “Macht uns ein Gutachten, dass wir nicht ablehnen können”? Nicht doch, geht bestimmt alles ganz sauber zu bei dem Thema. So sauber wie alle vorschriftswidrigen Stinker anderer Marken, die weiterhin unbehelligt herumfahren können.

Sauber geht es auch bei unseren Freunden in Österreich zu. Österreich, Sie wissen schon, wo man seit gefühlt 400 Jahren versucht, einen neuen Präsidenten zu wählen. Aber das ist ein eigenes Thema. Nein, hier und heute geht es um lustige Lobbyisten, die es auch in Österreich gibt: Die “Allianz Zukunft Winter” befürchtet, dass es schon bald zu wenig Skikurse an den Schulen des Landes geben könnte. Und um das zu verhindern, sollen alle Lehrer 40 Prozent Rabatt auf neue Ski und Schuhe bekommen.

Bis hierhin ist das nur mittelmäßig originell. So richtig granatenmäßig ist dann die Begründung, die die Lobbygruppe nach Bekanntwerden des Studienrats-Sponsorings nachreichte: Das sei keine Bestechung, sondern eine “Investition in die Zukunft”.

Ja küss‘ die Hand, solche Taktiken hätten die Ösis uns ja auch mal vorher verraten können. Dann hätte doch auch dieser Trudeau noch ganz anders investieren … äh, lassen wir das. Angeblich sind diese Kanadier, wenn man sie reizt, in Wahrheit ganz schön kompromisslos.

Wir werden es sehen. Nicht nur bis zur nächsten Woche. Für diese war‘s das.

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