Vom Regen ins Koma

Es gibt Wochen, die sind einfach zu heiß.

Da trifft es sich gut, dass Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner gesagt hat, sie wolle die von der Dauerhitze betroffenen Bauern nicht im Regen stehen lassen. Wobei diese vermutlich zumindest im wörtlichen Sinn aktuell nichts Lieberes täten als genau das, nämlich im Regen stehen.

Im Regen steht jetzt auf alle Fälle mal wieder der Steuerzahler, der für die Nothilfen aufkommen muss. Man könnte das grundsätzlich auch anders regeln. Über Versicherungen, Fonds oder wie auch immer. Witterungsbedingte Schäden sind ja prinzipiell in der Landwirtschaft kein neues Phänomen. Man könnte sie also von Anfang an einplanen und sogar einpreisen, auch wenn der Liter Milch dann von Anfang an mehr kosten würde als 55 Cent oder das Hackfleisch mehr als 1,99. Aber nein, dann lieber medial wirksame Wohltaten, ist schon klar. So funktioniert Politik. Aldi, Lidl & Co. lachen sich kaputt, und der babylonisch gefangene Landwirt spielt mit. Was bleibt ihm auch übrig.

Ketzerische Frage: Wenn es dann nächstes Jahr wieder gut laufen sollte, bekomme ich dann als Steuerzahler sozusagen umgekehrt mein halbes Pfund Butter ein bisschen billiger? Weil ich in diesem Jahr doch geholfen habe? Vermutlich nicht. Dann wird wieder einfach nur verdient. Liebe CDU, frag doch mal zum Beispiel die Opel-Belegschaft, wie die so über gewährte oder eben nicht gewährte Hilfe in schlechten Zeiten denkt.

Den Landwirten sei das hoffentlich bald wieder mögliche Verdienen ganz grundsätzlich und ausdrücklich gegönnt. Man muss sich wundern, mit welcher Hingabe an ihren Beruf sie immer noch durchhalten. Von Vorschriften und Heerscharen von Beamten fast zu Tode reguliert, von Supermarktketten in Niedrigstpreise geknüppelt, und jetzt auch noch die Hitze – Spaß geht anders.

Hm. Ganz schön finster, das alles. Ist denn so gar nichts Lustiges passiert? Alle zuverlässigen Gag-Lieferanten sind irgendwie auch ermattet. Der Donald prügelt sich jetzt mit dem Recep – sollen sie. Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Die CSU wiederum ist vor lauter Angst vor der nahenden Landtagswahl komatös schweigsam und will jetzt – Achtung, es kommt zum Äußersten – sogar doch mit Merkel in den Wahlkampf ziehen.

Dass bayerische Schüler deshalb demnächst eine neue Maßeinheit lernen müssen – das maximale Umfallen nach größtmäuligen Parolen innerhalb einer bestimmten Zeitspanne ist ein Söder – ist ein Gerücht, das wir hier gerne bestätigen würden. Können wir aber leider nicht, in Bayern sind noch Ferien. Wir stehen also recherchetechnisch etwas im Regen.

Eindeutig zu heiß war es im Hirn einer AfD-Knallschote namens Lars Steinke, der den Widerstandskämpfer Claus Schenk Graf von Stauffenberg als Verräter bezeichnet hat. Wer immer noch an das vermeintlich Gute in dieser Partei glauben will, mag unverdrossen auf sowas wie eine bessere politische Großwetterlage hoffen. Aber dann bitte keine Beschwerden, wenn es weiter aus der Gauland-Truppe braunen Hass und Rassismus regnet. Warnungen davor, dass sie der Demokratie das Wasser abgräbt, hat es genug gegeben.

Das war’s dann wieder – bis nächste Woche.

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