Vitamine für Wölfe

Es gibt Wochen, in denen schreibst du Sätze zum Schaudern.

Den zum Beispiel: Die USA haben die Weltkulturorganisation Unesco verlassen. Gut, man könnte jetzt sagen, dann ist dort der Weg ja endlich frei für Kultur.

Aber: Zur Ehrenrettung des großen Philosophen Donald Trump, der diesen Schritt vollzogen hat, muss man sagen, dass schon sein Vorgänger Obama wegen vermeintlicher oder tatsächlicher anti-israelischer Tendenzen der Unesco aufgehört hatte, Beiträge an die Organisation zu zahlen. Aber Obama hatte so viel Verstand, die Türe nicht völlig zuzuschlagen.

Was lernen wir daraus, wieder einmal? Die Verquickung von Politik und Religion führt so gut wie nie zu kulturellem Fortschritt. Im Gegenteil.

Kultur also jetzt ohne die USA. Was ist das eigentlich, Kultur? Das Gegenteil von Natur. Oder, drastischer: Das, was uns von Tieren unterscheidet. Tiere komponieren keine Donizetti-Opern, schreiben nicht wie Dostojewski und entdecken keine Elementarteilchen. Aber sie klettern auch nicht in Hochhäuser, um von dort mit automatischen Gewehren auf Konzertbesucher zu ballern.

Kultur, Tiere, Vögel – die meisten von uns kennen noch den Kinderlieder-Klassiker „Alle Vögel sind schon da“. Im Jahre des Herrn 2017 ist das Lied verdammt kurz geworden, weil so viele Vögel gar nicht mehr da sind. Und deshalb ist der Star jetzt auch Vogel des Jahres. Weil es ihm auch nicht mehr so gut geht.

Das kommt davon, wenn man die Piepmätze zu lange mit den Vitaminen B, A, S und F füttert. Einseitige Ernährung ist ungesund.

Moment bitte, das Telefon klingelt. Irgendein Italiener, der wüst schimpft. Monsanto oder so ähnlich. Habe ihn mit der Ernährungsberatung verbunden. Vielleicht wollte er ja sein eigenes Vitamin. M ist, glaube ich, noch zu haben.

Wo waren wir stehen geblieben? Richtig, Tiere. In Spanien ist ein Mann zu 15 Monaten Haft verurteilt worden, weil er wiederholt in ein Gehege mit Schweinen gesprungen ist und sich dabei hat filmen lassen. 79 Ferkel starben. Laut Anklage hat der Mann die Tiere wie ein Trampolin benutzen wollen.

Als Performance und somit als kulturelle Aktion im weitesten Sinn geht das auch bei wohlwollendster Betrachtung nicht durch. Eher als weiterer Beleg für den Philosophen Thomas Hobbes, der den Menschen als „des Menschen Wolf“ einstufte.

Im Odenwald ist bekanntlich kürzlich nach 150 Jahren wieder der erste – vierbeinige – Wolf gesichtet worden. Experten raten bei Begegnungen mit Wölfen: In die Hände klatschen, sich aufrichten, groß machen, dann passiert einem nichts. Damit wären wir hier und heute an der Schnittstelle zwischen Kultur und Natur angekommen. Vielleicht klappt diese Taktik ja auch bei Trump.

Moment bitte, da will jemand skypen.

Hat geklappt. Ich glaube, ich gebe der Unesco mal einen Tipp.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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