Verschmähte Liebe im Abendrot

Es gibt Wochen, in denen bist du zu früh dran.

Vor allem dann, wenn du mit dem Schreiben beginnen musst, bevor du weißt, was abgeht. Aber wir können ja schon mal Abschied nehmen. Und weil Sie, liebe Leser, es gewohnt sind, dass wir keine Mühen scheuen, haben wir uns auch diesmal wieder etwas einfallen lassen: Wir haben die IT des Kanzleramtes gehackt (war simpel, Account „AKKmussgewinnen“, danach Passwort „merz666“), und schon konnten wir die Abschiedsschreiben aus aller Welt an Angela Merkel mitlesen. Hier eine ebenso nicht repräsentative wie beinahe wahre Auswahl.

Ein gewisser Prinz S. aus SA schreibt: „Was soll das Geheule? Bei uns wissen Frauen noch, wo sie hingehören. Aber weil ich so nett bin, bestelle ich jetzt noch 300 Panzer. Aber bitte fahrbereite.“

Hui, der ist ja hart drauf. Dagegen wirkt ein gewisser Wladimir P. aus M. regelrecht entspannt: „Mach‘s gut, Angela. Netter Versuch, die Ukraine zu beschützen. Aber wie kommt jemand, der noch nicht einmal einen Labrador aushält, auf die Idee, mich beeindrucken zu können?“

Hm. Irgendwie auch nicht nett. Vielleicht Horst S. aus I.? Er schreibt: „Du warst eine echte Herausforderung. Ich dachte schon, ich muss vor dir aufgeben. Danke, dass es doch nicht so gekommen ist, ich bin auch echt fertig.“

Das klang ja zumindest schon mal nach einem halben Kompliment. Geht‘s noch besser? Emmanuel M. aus P. schreibt: „Chère Angela, ich wiederhole, was ich kürzlich schon einmal sagte: Wir lieben Deutschland.“ Absatz, drei Leerzeilen. „Okay, unser Deutschland. Dass ich das bei dem ollen de Gaulle geklaut und exakt so wie er gemeint habe, hast du mit deiner DDR-Jugend wohl nicht verstanden.“ Geschichte ist manchmal aber auch tragisch. Im Moment trotzdem wohl eher für Herrn M. aus P.

Sagt denn niemand was Nettes über die Frau, die in einer Zeit, in der andere dem politischen Irrsinn anheimfielen (gell, Frau May), den Kram einfach am Laufen hielt? Na vielleicht Herr Li X. aus P.: „Vielen Dank für all die kostenlosen Patente und dieses Gedöns, wie heißt es gleich, ah – Menschenrechte. Kann ich die bei Payback einlösen? Bitte hilf mir noch ein letztes Mal!“ Na also, geht doch.

Oder der hier: „Danke für all die Kohle als Türsteher. Dein Recep!“

Aber das Beste kommt natürlich wie immer zum Schluss: „Dear Angelique oder wie du heißt: Obwohl ich als the greatest Frauenversteher on Earth eigentlich alles weiß, wusste ich nie, wie ich mich neben dir fühlen sollte. Diese ganze arrogante Intelligenz, da kam ich mir immer vor ein total loser.“ Und womit, Donald? Mit Recht.

Tja, das war‘s dann. Im Western käme jetzt die Stelle, in der ein Kerl pfeifend ins Abendrot reitet. Nur dass es diesmal eine Frau ist, die es den Kerlen 18 Jahre lang gezeigt hat. Und beim Davonreiten leise lacht. Weil aus dem Morgenrot wieder eine Frau reitet.

Bis nächste Woche.

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