Veganes Gruselkabinett

Es gibt Wochen, die wundern einen im Großen und Ganzen überhaupt nicht.

So langsam wird es doch ernst mit dem Brexit. Vor allem für die, die auf der Insel leben und arbeiten. Stellen bevorzugt an britische Bürger, Einschränkungen bei der Freizügigkeit und Auftragsvergabe – da wird der Begriff völkisch neu belegt.

Das Spannende an dieser Versuchsanordnung ist, dass sie mitten in einer Welt stattfindet, die durch die Digitalisierung täglich weniger Grenzen kennt. Kann man dann mit bewusster Abgrenzung überhaupt durchkommen? Wenn das einer schafft, dann die Briten.

Oder Theresa May, die als neue Premierministerin den neuen Kurs angekündigt hat, ist eine größere Blufferin als Boris Johnson, David Cameron und Nigel “Ätsch, ich habe Euch dreckig angelogen” Farage zusammen.

Apropos gelogen: Donald Trump bekommt wohl doch Geld aus Russland. Und zwar nicht wenig.

Ja. Und? Wo ist da jetzt die Nachricht?

Dann doch lieber schnell ein Themenwechsel. Viele vegetarische und vegane Ersatzprodukte kommen einfach nicht aus den Schlagzeilen. Vor allem die, die aussehen sollen wie Wurst oder Käse, es aber nicht sind. Da sollen Mineralöle und andere gesunde Sachen drin sein. Nicht, dass ich am Ende jetzt mit meinem Veggie-Burger nicht mehr in die Umweltzone darf…

Der Mensch ist ein vergessliches und – in Zeiten von Facebook und Co. – immer schneller erreg- und wieder abregbares Wesen. Vor zwei, drei Jahren ging die Welt unter, als bekannt wurde, dass böse Firmen bösen Analogkäse auf ihre Billigpizzen streuen. Tja, heute heißt das vegan, ist aber immer noch das gleiche Zeug. So gesehen hat auch die Stiftung Warentest keine echte Nachricht produziert, als sie die öligen Fleischlos-Produkte getestet hat. Aber die Erregung ist trotzdem sofort wieder da gewesen. Man hätte drauf wetten können.

Gibt es sie denn überhaupt noch, die wahren neuen Nachrichten? Aber sicher. Nämlich diese: Die Beliebtheitswerte von Angela Merkel steigen wieder. Was ist passiert? Dürfen die Bayern nicht mehr mitstimmen? Macht die AfD gerade einen Betriebsausflug? Hat jemand mit NRW-Abi die Zahlen addiert? Nein, nichts dergleichen. Man sieht nur ab und zu, wenn sich der rhetorische Wut-Nebel doch ein wenig verzieht, wer außer der Kanzlerin noch so auf der Politbühne steht.

Sigmar Gabriel, der garantiert nicht vegane Chef der SPD, zum Beispiel. Der ist in seiner eigenen Partei so beliebt, dass sein niedersächsischer Heimatverband vor ihm warnt. Die Grünen müssen noch die letzte Kretschmann-Rede verdauen, und die liegt schwerer im Magen als ein Dutzend Mettbrötchen. Horst Seehofer wiederum poltert einfach weiter, aber das interessiert zunehmend weniger Beobachter.

Außer Viktor Orban. Aber der braucht ja nach seinem vergeigten Flüchtlings-Referendum sowieso jeden Freund. Ist er schon mal zu zweit mit dem Horst.

Haben wir jemand vergessen? Ach ja, Frau Petry und Frau Wagenknecht. Die gehen Merkel jetzt beide von … ja von wo aus eigentlich an? Von da, wo sich irgendwo die Extreme berühren.

Welch ein Gruselkabinett. Wenn man die alle zu Halloween auf Burg Frankenstein stopfen würde, müssten Kinder und Zartbesaitete zuhause bleiben. Und vor einer solchen gedanklichen Tapete erscheint das grau vor sich hin stolpernde Kontinuum aus der Uckermark mitunter wieder geradezu attraktiv.

Zum Schluss die gute Nachricht: Für die zitternden Tengelmann-Beschäftigten könnte es doch eine Zukunft geben. Von mir aus auch mit Analogkäse in der Tiefkühltruhe (ich muss ihn ja nicht kaufen). Hauptsache, die Vernunft setzt sich durch.

Das war’s dann wieder – bis nächste Woche.

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