Unterwasser-Halma wird olympisch

Es gibt Wochen, in denen man sich fragt, was eigentlich los ist.

Wir beginnen daher heute mit einem Rätsel: Was würden Sie, liebe Leserinnen und Leser, von einem Unternehmen halten, das durch und durch korrupt ist, dessen Produkte nicht das sind, was sie vorgeben zu sein, und dessen Geschäftsgebaren von Umweltzerstörung größten Ausmaßes und Anbiederei an jeden Diktator, der genug Bestechungsgelder auftreiben kann, begleitet wird?

Nein, wir meinen nicht die Autoindustrie. Also bitte!

Wir meinen … Trommelwirbel … Olympia. Sie wissen schon, diese lustige Veranstaltung, bei der hart trainierende Sportler als Vorwand dienen. Ist alles nicht neu. Aber jetzt geht die Welt unter. Denn die bösen Funktionäre haben ihr Produkt an eine private TV-Gesellschaft verschachert. Frei nach der Devise: Viel Geld ist geil, mehr Geld ist noch geiler.

Baron de Coubertin hatte das olympische Motto minimal anders formuliert.

Wie dem auch sei: Jetzt also Privatfunk, und bei den öffentlich-rechtlichen ARD und ZDF herrscht Katzenjammer. Und in der Politik auch. Wäre das Weinen von Krokodilstränen olympische Disziplin, die Goldmedaille ginge nach Deutschland. Die Hundertschaften von Personal, die nicht länger den schönen Schein inszenieren, könnte man ja jetzt journalistisch auf die Olympischen Spiele ansetzen. Dann hätten die einsamen Streiter, die sich an den Schattenseiten des Spektakels abarbeiten und die nicht wenige gerne mundtot gemacht hätten, endlich Verstärkung. Und wer weiter einfach nur Sportbilder anschauen möchte, schaut halt Privatfunk.

Kann nur sein, dass Usain Bolt da bald extra kostet. Dafür gibt es dann für Unterwasser-Halma bestimmt Rabatt bei Payback und eine Autogrammkarte von Ober-Funktionär Thomas de Coubertin, sorry, Bach.

Thomas de Coubertin, äh, Bach, ist Jurist und hat zum “Einfluss von Prognosen auf die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes” promoviert. Keine Ahnung, ob die Karlsruher Rotroben sich davon haben inspirieren lassen. Wir wagen eine Prognose: Nö. Ist auch egal. Hauptsache, bei Olympia geht alles wie geschmiert den Bach runter.

Garantiert nicht den Bach runter geht unser Bundesland Hessen. Das ist gerade 70 geworden und putzgesund. Deshalb hat man ordentlich gefeiert, auch wenn das eigentlich kein echtes Jubiläum ist. Aber im Gegensatz zu manchem Nachbar-Bundesland kann sich Hessen Partys zu Pseudo-Jubiläen wenigstens leisten.

Im Zuge der öffentlich-rechtlichen Berichterstattung zum Hessen-Geburtstag konnte man im Radio ein weiteres Glanzstück zwangsfinanzierten Qualitätsjournalismus hören. Nämlich jenes: Man sei als Hörfunk für Hessen unter anderem deshalb so bedeutsam, weil die Zeitungen ihre Hessen-Seiten abgeschafft hätten.

Liebe Kollegen, wir sind ja nur die von der Zeitung. Und wir machen auch Fehler. Ja! Aber… wissen Sie was? Machen Sie doch mal knallharte Kiosk-Recherche, nehmen Sie diese Zeitung in die Hand und blättern Sie von Seite 2 ein paar Seiten weiter. Nur Mut, es sind nur ganz wenige bis zum Ziel.

War sonst noch was? Donald Trump hat seinen Verteidigungsminister nominiert. Einen ehemaligen General mit dem Spitznamen “Mad Dog” – tollwütiger Hund. Angeblich hat er ihn sich in Afghanistan und im Irak redlich erworben. Und beim Thema Iran hat er immer Schaum vor dem Mund.

Ob er auch wissen will oder sollte, wo Syrien liegt? Wir werden es erleben. Wenn es so weit ist, wird es Fernsehbilder, Radiobeiträge und Zeitungstexte geben. Völlig egal, ob öffentlich-rechtlich oder privat. Hauptsache wahr. Es ist das Schicksal des postmodernen Menschen, gute von schlechten Quellen unterscheiden zu müssen. Die Mühe lohnt sich, auch wenn es dafür keine Goldmedaille von Thomas de Coubertin gibt.

Das war’s dann wieder – bis nächste Woche.

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