Und der Oscar geht an die Störche im Ried

Wieder ist eine Woche vorbei, und wieder haben wir etwas gelernt: Es müsste eine neue Oscar-Kategorie geben. Den Preis in der Sparte “Ich springe vor lauter sichtbar schlechter Laune gleich aus meinem Anzug und halte nur deshalb mühsam still, damit diese Pressekonferenz nicht platzt” muss ohne Wenn und Aber an Rüdiger Fritsch gehen, Präsident des SV Darmstadt 98.

Niemand hat die Absicht, in Darmstadt ein neues, bundesligataugliches Stadion zu bauen.

Dennoch müssen wir hier in aller Entschiedenheit das Gerücht zurückweisen, einige Spitzenkräfte, die in Berlin mal einen Flughafen geplant haben, hätten sich nach Darmstadt verirrt. Solche Unterstellungen sind bösartig, gegenstandslos und unzutreffend. Das war’s dann zwar mit diesem Thema bestimmt noch nicht, aber jetzt mal an dieser Stelle.

Nigel Farage (Sie wissen schon, das ist der gewissenlose Lügner, der mit einigen anderen den Brexit provoziert hat) tritt zurück und will sein Leben zurück. Millionen vor allem jüngerer Briten das ihrige auch.

Bundesinnenminister de Maizière hat mit unübersehbarer Entspannung den Rückgang der Flüchtlingszahlen vermeldet. Krieg und Elend in den Herkunftsländern toben zwar weiter, aber das jetzt wieder in ausreichender Entfernung. Und schon zerlegt sich die AfD vor lauter Langeweile selbst und sackt in Umfragen um drei Prozent ab. Noch Fragen?

Ja. Nigel Farage und Beatrix von Storch (Sie wissen schon, der politisierende Hochadel, der ab und an so ganz proletarisch wie wir auf Computermäusen ausrutscht) haben mit einer Doppelmagnum Schampus grinsend im Europaparlament posiert. Wir wissen zwar nicht, was die beiden zu feiern hatten. Wir schlagen aber mal so oscarmäßig zwei, drei Kategorien vor.

Den Sieg in der Kategorie “Beste internationale Koproduktion in der Nivellierung jedweden Anstandes”. Auch möglich: Die Sparte “Wer sagt denn, dass auf Europas Grab tanzen keinen Spaß macht?” Oder die beiden wollten anfangen, “Wir versaufen unser Enkel ihr klein Häuschen” zu singen, aber ein herbei geeilter Saaldiener konnte gerade noch Schlimmeres verhindern.

Und jetzt im Ernst: Wer in die Fratze der Demokratieverachtung blicken will, der muss sich diese beiden Gestalten auf diesem Foto anschauen.

Bleiben wir noch ein wenig bei Frau von Storch. Nach dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft haute sie prompt auf Twitter folgende Empfehlung raus: “Vielleicht sollte nächstes Mal dann wieder die deutsche Nationalmannschaft spielen?” Wieder auf der Maus ausgerutscht, Ihro Gnaden? Oder hat der Schampus von Kumpel Nigel doch schlimmere Spuren hinterlassen? Wir wissen es nicht. Jedenfalls erwachte von Storch etwa nach etwa zehn Stunden aus dem intellektuellen Koma und fühlte sich mal wieder von allen Medien zwischen Grönland und Galapagos falsch verstanden. Is‘ klar.

Soll keiner sagen, hier würden nur schlechte Nachrichten aufgegriffen. Also: Den Störchen im Ried geht es wieder richtig klasse. Nahrungs- und biotoptechnisch fast alles im grünen Bereich. Das freut uns sehr. Wirklich. Und auf Mäusen rutscht von denen auch keiner aus. Sie fressen sie meistens.

Und jetzt versuchen wir erst gar keine Überleitung und schalten auch den Ironiemodus aus. Der Bundestag hat – auch unter den Eindrücken der Kölner Silvesternacht – das Sexualstrafrecht geändert. Viele Frauen können und werden jetzt aufatmen. Guter Beschluss und trotzdem skandalös. Was der Skandal dabei ist? Dass es so lange gedauert hat, bis er gefasst wurde und dass es so was wie Köln am Ende noch gebraucht hat, ihn möglich zu machen.

Das war’s dann wieder – bis nächste Woche.

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