#twittermussfreibleiben

Es gibt Wochen, in denen beißt sich die Katze in den Schwanz. 

So geschehen in dieser, als Donald der twitternd total tolerant Temperierte von seinem bislang widerspruchslosen Lieblingskanal, auf dem er gefühlt eigentlich alles verbreiten konnte, dann doch einmal Gegenwind bekam. Als Donald der total Temperierte nämlich (wegen aktuell eher übersichtlicher Umfragewerte) Zweifel an der Korrektheit der – schon ab Spätsommer möglichen – Briefwahlen zur US-Präsidentschaft äußerte, widersprach ihm Twitter doch glatt – per Faktencheck.

Nur, um das hier mal richtig einzuordnen: Donald der temperiert Totale ist der mit Abstand wichtigste Nutzer und somit Kunde Twitters. Das wäre jetzt also ungefähr so, als hätte die OPEC dem Verband der Automobilhersteller eine Pressemitteilung durchredigiert und darauf verwiesen, dass SUVs tatsächlich Spritschlucker sind, je größer sie ausfallen. Die trauen sich was, diese Twitterjungs …

Denn die Retoure, sie kam natürlich gewaltig. Er, Donald der Totale, verfügte mit der Kraft seiner Unterschrift, dass hinfort die sozialen Medien gefälligst aufhören sollten, Fake News zu verbreiten. Also außer denen, die ihm genehm sind. Wenn nicht würden sie aber sowas von durchreguliert, dass sie sich noch wünschen würden, gar niemals gegen den totalen Donald getwittert zu haben.

Boah, der macht mich echt fertig. Für wie blöd hält der den Rest der Welt eigentlich? Hat doch kaum jemand wie er von der Schrankenlosigkeit der Sozialen Netze profitiert. Also wer soll ihm sein Geplärre jetzt eigentlich glauben? Aber solche gehässigen Kleinigkeiten lassen wir jetzt mal Kleinigkeiten sein. Viel lustiger ist, dass Donald mal wieder total bewiesen hat, dass er original gar nichts kapiert hat.

Soziale Netzwerke regulieren sich auf drei Wegen. Erstens: durch sich selbst. Darauf warten wir bis heute. Ich vermute, vorher werden Königstiger Veganer, aber man soll die Hoffnung ja nie aufgeben.

Zweitens: durchs Soziale. Also uns. Indem wir eben nicht jeden Schrott, den wir sehen oder lesen, sofort für bare Münze nehmen und weiter posaunen. Sondern vielleicht einmal eine zweite Meinung holen. Aus einer guten Quelle. Ja, auch wenn das Zeit und Geld kostet. Ist aber gut angelegt. Nichtinformation kostet ziemlich schnell Verstand und Autonomie.Drittens: durch brutale Totalzensur. Siehe China. Aber das kann ja wohl nicht ernsthaft … Moment bitte, das Telefon klingelt.

Donald, alter Totalausfall. Nein, hier wird gar nichts reguliert. This is Germany. The land of the free. Und nein, wir nehmen dich nicht zurück, wenn du abgewählt wirst. Das hat schon dein Großvater versucht. Aber am damaligen Spruch der bayrischen Behörden gibt es weiterhin nichts auszusetzen. PS: Diese frechen Twitterjungs haben doch glatt nachgelegt: Dein Tweet zu den Unruhen in Minnesota sei tendenziell gewaltverherrlichend. Neuer Hashtag: #twittermussfreibleiben.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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