Stephen strolcht nach Stalingrad

Die Woche im Rückblick: Was geht, was kommt, was bleibt

Es gibt Wochen, in denen wird es martialisch.

Stephen Bannon – Sie wissen schon, der lustige amerikanische Politikberater, gegen den selbst Darth Vader so friedliebend wirkt wie der Achtsamkeitsbeauftragte des ayurvedischen Töpferzentrums Darmstadt-Südost – hat in einem Interview zur Europawahl etwas gesagt. Nämlich das: Nach der Wahl werde in Brüssel jeder Tag wie einer in Stalingrad sein.

Bis zum Februar 1943 kamen in der Schlacht um die Stadt Stalingrad, die heute Wolgograd heißt, über 700000 Menschen ums Leben. Deutsche und vor allen Dingen Russen. Soldaten wie Zivilisten. Das muss man unbedingt wissen, um den lustigen Satz des noch lustigeren Stephen einordnen zu können.

Stalingrad muss für alle, die dort waren, die Hölle auf Erden gewesen sein. Wo zur Hölle also ist der Unterschied zwischen Bannon und einem Saddam Hussein, der von der „Mutter aller Schlachten“ faselte? Dem Wohlfahrtsausschuss eines Robespierre? Oder dem „totalen Krieg“ eines Joseph Goebbels? Nirgendwo. Wer das jetzt nicht wahrhaben will, der glaubt wahrscheinlich auch, dass es 300-Euro-Scheine gibt.

Der lustige Stephen hat übrigens angekündigt, die AfD nach der Europawahl auch bei den anstehenden Landtagswahlen unterstützen zu wollen. Vor allem in Sachsen. Wir wissen nicht, womit. Ob einfach weiter nur mit unsäglichem Vokabular, russischer Kohle oder schwerer Artillerie. Seine Begründung jedenfalls lässt erzittern: Sachsen werde besonders „interessant“. Interessant finden wir viel eher den Umstand, dass Bannon als Donald Trumps ehemaliger Chefberater … Moment bitte, das Telefon klingelt.

Donald, alte Haubitze. Wie meinen? Der Stephen hat eine schwere Kindheit gehabt? Mag sein. Angeblich hat er als Schüler auf einem Schrottplatz gejobbt. War bestimmt hart. Fast so hart, wie den Vater (oder die Mutter) in einer der irrsinnigsten Schlachten zu verlieren, die die Welt je gesehen hat. Also leg gefälligst auf, wenn du sonst nichts zur Sache beizutragen hast. Die Tatsache, dass sogar dir diese Übelkrähe zu unheimlich wurde, sagt doch alles.

Einsam wurde es um Stephen seit 2017, als der Donald ihn rauswarf, bestimmt nicht. Hat er doch jede Menge neue Kumpels. Früher gab es die Komintern (für die Jüngeren: Das war der von Moskau gelenkte Zusammenschluss aller Kommunisten, der sich beim Friedensnobelpreis immer ganz hinten anstellen musste). Heute gibt es die Faschintern. Für die beackert der Stephen jetzt Europa. Und leiht sich dafür in Moskau alles Mögliche – auch Stalingrad.
Das kann man berücksichtigen, wenn man bald sein Kreuzchen auf dem Wahlzettel macht. Muss man aber nicht. Weil wir freie Bürger sind. Auch wenn der Stephen, der Viktor, der Matteo, der Nigel und jede Menge andere fleißig an der Abschaffung dieser Freiheit arbeiten. In Deutschland immerhin ist es noch nicht zur Meutherei gekommen. Nicht nur, aber mit Sicherheit ein wenig auch deshalb, weil man hierzulande tatsächlich noch weiß, was Stalingrad wirklich bedeutet hat. Und bis heute bedeutet.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.