Spiel mir das Lied vom Klo

Es gibt Wochen, in denen … seufz. Aber Kopf hoch. Es gilt, gesund zu bleiben.

Das gelingt je nach Gesundheitssystem eines Landes besser oder schlechter. Ich bin froh, in Deutschland zu leben. Und nicht in den USA. Dort hat jemand das mit „America First“ aber sowas von falsch verstanden. Mit einem Viertel der Einwohner China bei den Corona-Fallzahlen abzuhängen ist kein erstrebenswertes Ziel. Und nein, Corona ist selbst inGod‘s Own Country nicht die Rache des Herrn für Homosexualität. Auch wenn ein durchgeknallter Hassprediger solche Grütze ins Regierungsmikrofon spricht. Also, was man jetzt wirklich … Moment bitte, das Telefon klingelt.

Donald, alter Verbalmutant. Was du jetzt, wo du endlich merkst, dass das Virus gefährlicher ist als eine Doppel-Whopper-Diät, wieder von dir gibst … Eine Wirtschaftskrise könne mehr Menschen töten als Corona selbst. Also bitte nur kurzes Kontaktverbot. Hast du zu lange neben Charles Darwin gefrühstückt? Darwin, weißt du, dieser rauschebärtige Engländer, der mit der Evolution. Ach so, an die glaubt ihr Fundamentalisten ja auch nicht. Na jedenfalls war Darwin der mit dem „Survival of the Fittest“. Nix für dich also. Bei der Wahl im November.

Man könnte wirklich glauben, der will noch aus einer Pandemie einen Western machen. Obwohl … Wenn man manche Szene der letzten Tage noch einmal vor dem geistigen Auge ablaufen lässt …

Darmstadt, am frühen Morgen. Ein Familienvater hat eine Mission. Im heimischen Haushalt existiert nur noch eine Rolle Toilettenpapier. Für vier Personen. Er muss also bei der Jagd erfolgreich sein. Er wählt als Ziel einen Supermarkt am Rande der Stadt. Könnte strategisch clever sein. Nicht ganz so zentral gelegen, die Dieselpferde müssen eine ganz schöne Strecke zurücklegen. Aber dann: Nebenan befindet sich auch ein Drogeriemarkt. Markt oder Drogerie? Man spürt den eisigen Wind des Schicksals über den Parkplatz wehen. Der Mann schreitet langsam los und wählt …

Seine Wahl war weise: Im Markt gibt es tatsächlich noch Restbestände der begehrtesten Handelsware östlich des Mississippi. Als er den Markt verlässt, sieht er die Schlange der Verzweifelten vor der Drogerie. Sie werfen ihm Blicke zu. Sie wissen schon – DIESE Art von Blicken. Und er denkt sich: „Falsche Zeit, unbewaffnet mit Toilettenpapier durch die Stadt zu laufen“. Er spannt sich. Blickt hart zurück und sieht das Weiße in den Augen der Papierlosen. Wenn man das inZeitlupe abspulen würde, dazu Musik von Ennio Morricone und einen dieser runden Sträucher durch die Kulisse rollen lassen – John Wayne und Clint Eastwood könnten einpacken. „Spiel mir das Lied vom Klo“. Neulich. Irgendwo. In Darmstadt.

Brrrr. Wenn uns das vor vier Wochen jemand erzählt hätte … Ich schwöre übrigens bei der Hutablagentoilettenpapierhäkelrolle meiner Oma, dass es nur zwei Packungen dreilagiges Gold waren, die mit dem Diesel auf den Heimweg ritten.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche. Bleiben Sie gesund.

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One Response to Spiel mir das Lied vom Klo

  1. Wenn dieser Satz so nicht im Drehbuch stand, dann passt er perfekt zur Dramaturgie. Eine Sekunde spater findet sich Lydia in einer Hutte in den Slums wieder. Die Kamera zoomt das dreckige Abflussloch einer Toilette heran. Man spurt den fauligen Geruch formlich in der Nase. Aus dem Off ertont die Titelmelodie des Spaghetti-Westerns „Spiel mir das Lied vom Tod“.

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