Sehnsucht nach Langeweile

Es gibt Wochen, in denen träumt man ziemlich intensiv.

Europa, im März 2018. Die französische Präsidentin Le Pen lädt zum G4-Gipfel nach Paris. Es kommen als Vertreter der Mitglieder dieser neuen Institution Le Pens türkischer Amtskollege Erdogan, der russische Zar Wladimir Putin sowie Nordkoreas GröKnaZ (Größter Knallfrosch aller Zeiten) Kim Jong-un.

Anlässlich dieses in der gleichgeschalteten Presse frenetisch bejubelten Ereignisses lernen die Kinder in den französischen Grundschulen jetzt ein neues Motto. Liberté, Egalité, Fraternité – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – war gestern. Ab jetzt heißt es Fausseté, Disparité, Brutalité – Falschheit, Ungleichheit, aufs Maul.

Erster Tagesordnungspunkt des Treffens: Aufnahme neuer Mitglieder. Angeklopft haben Großbritannien und die USA. Erstere, weil die Insel neue Freunde braucht. Premierministerin May bietet als Morgengabe an, den Steuersatz für Unternehmen aus den G4-Staaten auf minus vier Prozent zu senken. Damit scheitert sie jedoch krachend: Die 4 gilt im asiatischen Raum als Unglückszahl. Der ob der britischen Offerte aufs äußerste empörte GroKnaZ kann von den übrigen Gipfelgästen nur mit Mühe davon abgehalten werden, einen atomaren Knallfrosch in London zu zünden.

Danach widmet man sich den ebenfalls koalitionswilligen USA und ihrem Präsidenten Donald „Ein Deal ist ein Deal“ Trump. Nach den schlechten Erfahrungen mit Frau May beschließt man, dass Trump erst ein Gesellenstück abliefern müsse. Und zwar, Deutschland mit dieser Merkel, die 2017 wieder gewählt worden war, jetzt ein für alle mal in die Schranken zu weisen. „En marche“, schnarrt Frau le Pen.

Also legt er los, der Donald. Alle deutschen Autohersteller, die einmal ein Bild von Rudolf Diesel in ihrem Werksmuseum hängen hatten, werden deswegen auf mehrere Fantastilliarden Dollar Schadensersatz verklagt. Gleichzeitig geht in Berlin eine Reparationsforderung ein: Wernher von Braun habe nach 1945 trotz anderslautender Zusagen im Raumfahrtprogramm keine deutsche Wertarbeit abgeliefert. Vielmehr seien gleich mehrere Raketen explodiert.

Kurzes Intermezzo: Dem GröKnaZ kommen an dieser Stelle die Tränen.

Weiter im Text: Als finalen Knaller dekretiert Trump ein Importverbot für deutsches Obst. Vor allem, um diese Firma Apple aus Kalifornien vor unfairen teutonischen Wirtschaftspraktiken zu schützen.

In Berlin weiß man darauf nicht, ob man nun lachen oder weinen soll. Die Kanzlerin fragt den Schäuble: „Sag mal Wolfgang, kann die Null schwarz bleiben?“ Die Antwort des notorisch gut gelaunten Kassenwarts: „Kommt drauf an, ob wir ein Loch in Trumps Mauer finden. Mit so was kennen Sie sich als Ossi doch aus.“

Derart angestachelt, reagiert die Kanzlerin mit einem unglaublich kühlen Schachzug. Sie ruft in Peking an. „Hey, Li, altes Haus. Der Trump hat gesagt, du siehst im Fernsehen aus wie eine große 4.“

Daraufhin überweist der chinesische Staatschef alle US-Staatsschulden nach Berlin. Die Kanzlerin erklärt dem Donald, wo jetzt der Hammer hängt. Der zieht seinen Antrag auf G4-Mitgliedschaft zurück. Das wieder bringt den GröKnaZ dazu, seine letzte funktionierende Rakete auf Berlin …

… der Wecker klingelt. Alles nur ein verrückter Traum. Aber er hat sich so real angefühlt, nur eine halbe Umdrehung der Weltgeschichte entfernt.

So real, dass man Sehnsucht nach Langeweile bekommt. Oder nach dem, was zu viele mit Langeweile verwechseln: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Wir blicken nach Paris – vor allem nächste Woche.

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