Rückgaberecht für Donald Trump?

Früher war alles besser. Besser? Bei den Olympischen Spielen 1968 kam es es zum handfesten Skandal, weil US-amerikanische Athleten durch das Zeigen der erhobenen “Black Power”-Faust aus einer Siegerehrung ein politisches Happening machten. Und heute? Haben wir Christoph Harting. Sie wissen schon, der (gar nicht so) kleine Bruder von Robert, der immer Trikots zerreißt.

Christoph hat statt Robert eine Goldmedaille gewonnen und dann bei der Siegerehrung zur Hymne unhymnisch und vor allem unrhythmisch herumgehampelt. Skandal? Ach wo, wir leben in einem freien Land. Zu dessen Freiheit gehört, dass jeder seiner Bürger sich so massiv blamieren kann wie er will. Man muss das ja als Zuschauer trotzdem nicht mögen.

Nein, skandalös ist da schon eher manches andere, was man aus Rio so hört. Oder auch nicht: Korrupter Funktionär verhaftet, seltsame Urteile beim Boxen, Doping, randalierende Schwimmer – klingt nach dem ganz normalen Programm. Deutlich origineller war offenbar die brasilianische Synchronschwimmerin, die einen Tag vor dem Wettkampf ihre Zimmerkollegin aus eben dem gemeinsam Zimmer warf. Weil sich manche Dinge des Lebens eben nicht synchronisieren lassen: Die Athletin soll angeblich Sex haben wollen.

Was der große Philosoph Donald Trump wohl dazu gesagt hätte? Wir wagen es uns nicht vorzustellen. Allerdings scheint der betonblonde Politikdarsteller in letzter Zeit irgendwie zu schwächeln. Kürzlich entschuldigte er sich sogar für seine Krawallrhetorik. Die tue ihm leid. Wir haben es immer gewusst: In Wahrheit ist der Typ einfach nur ein Maulheld.

Kurz vor Eintritt in seine angebliche Weichei-Phase hat Trump aber noch mal ordentlich einen raushauen wollen und Hillary Clinton dadurch zu diskreditieren versucht, indem er sie als “amerikanische Angela Merkel” stilisiert hat. Ja und? Man stelle sich vor: Sogar jenseits des Atlantik taugt die Kanzlerin als role model. In früheren Zeiten wäre derlei unvorstellbar gewesen. “Making America Great Again” (Amerika wieder großartig machen) lautet Trumps Wahlkampfslogan. Kein Problem, wir helfen gerne, und sei es als Vorbild.

Kein Vorbild war in der jüngeren Vergangenheit Ikea. Nein, nicht weil manche Möbel des schwedischen Heimausstatters labiler sind als das Wertegerüst von Donald Trump. Sondern wegen der lebenslangen Rückgabegarantie. Was ja bei näherem Hinsehen nichts anders als ein ökologisch bedenklichster Freibrief für Freibiergesichter war: Immer schön raus mit dem alten Krempel und neuer her, kostet ja nix. Das ist jetzt Geschichte. Darauf ein Billy. Oder noch besser ein Ivar.

Wir könnten uns aber statt kreischbunter Pressspan-Platten durchaus das eine oder andere vorstellen, für das man gerne ein lebenslanges Rückgaberecht hätte. Zum Beispiel die Kommentare mancher Zeitgenossen auf die Veröffentlichung des Fotos des syrischen Jungen Omran, dem in Aleppo das Entsetzen des Krieges ins Gesicht gemalt war.

Hier eine kleine Auswahl: “Journalisten wollen im (natürlich aus Berlin gesteuerten) Herdentrieb zum Krieg aufrufen.” “Das ist doch alles gefälscht. Auch im Krieg bleibt kein Kind so allein.” “Der Fotograf ist ein Kriegsverbrecher.” Es ginge noch deutlich absurder, aber das lassen wir jetzt mal.

Jeder Krieg ist schlimm. Und ja, man sollte sich vor vorschnellen Schuldzuweisungen hüten. Aber man sollte auch Ursache und Wirkung nicht verwechseln: Kinder sind in Kriegen immer Opfer, egal wer schießt und bombt. Und darin liegt die Botschaft des Bildes. Das kann man durchaus mitbedenken, wenn man vom sicheren, vom Krieg weit entfernten Schreibtisch aus seine entmenschlichten Kommentare rausrülpst.

Muss man natürlich nicht. Schon gar nicht, wenn man aufgrund von Umständen, für die man selbst am allerwenigsten kann, keine Angst haben muss, auch mal ganz schnell selbst so auszusehen wie der arme Junge.

Das war’s dann wieder – bis nächste Woche.

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