Real auf der Herrentoilette

Es gibt Wochen, in denen man die Feste feiern muss, wie sie fallen.

Zum Beispiel, wenn du morgens aufwachst und noch Geld auf dem Konto hast. Wenn du Darmstädter Oberbürgermeister bist, kann das auch schon mal anders ausgehen. Da hast du einen Dax-Konzern in deinem Sprengel, der erst vor Kurzem ordentliche Zahlen vorgelegt und seine Aktionäre gut bedient hat. Alles in Butter also. Bis kurz nach der glanzvollen Wiederwahl die Nachricht vom plötzlichen Millionenloch die Partylaune vermiest.

Die Zeche sollen jetzt Häuslebauer, junge Familien, Vereine und alle Gewerbetreibenden zahlen. Und wir wundern uns, dass das Wahlverhalten links wie rechts immer extremer wird. Für Letzteres kann der Darmstädter Oberbürgermeister ausdrücklich nichts.

In Rüsselsheim weiß man seit Jahrzehnten, wie sich leere Kassen anfühlen. Oder in alten Industriestädten Lothringens, wo ein französischer Ministerpräsident nach dem anderen versprach, dass die Öfen der Stahlwerke nie kalt werden würden.

Sie wurden es aber. Und der Front National begann, einen Wahlrekord nach dem anderen einzufahren. Verwegene Forscher haben die noch verwegenere These aufgestellt, dass da ein Zusammenhang bestehen könnte.

Gefeiert wurde dieser Tage auch in Washington. Im Weißen Haus wurde die erste siegreiche Etappe zur Abschaffung der Pflicht-Krankenversicherung begossen. Ins Amt gehievt haben diese feiernden Soziopathen ausgerechnet diejenigen, deren Stahlöfen in Cleveland, Cincinnati und Pittsburgh auch schon lange kalt sind. Und die demnächst höchstens noch in den Drugstore oder in die nächste Whisky-Bar laufen können, um was gegen das eine oder andere Zipperlein zu tun.

Lieber krank als vom Sozialismus gegeißelt. Darauf trinkst du als Präsident doch gerne mal einen Schampus, den die sich in Lothringen eh nicht mehr leisten können. Muss ja weg, das Zeug.

Gerade mal gar nichts zu feiern haben sie bei der Bundeswehr. Beschäftigt die doch, so wie es aussieht, Personal, das ein Doppelleben als Flüchtling führt. Um in diesem Gewand wiederum möglicherweise Terrorakte zu verüben, die dann auf die Flüchtlinge zurückfallen könnten Und dann kann man als Rechtsextremer, der man unter der Uniform in Wahrheit ist, den Schampus knallen lassen.

Selbst ein bis unter die Hirnschale mit Blubberwasser abgefüllter RTL-Praktikant hätte diese Story zurückgewiesen, wäre sie ihm als Drehbuch angeboten worden. Ein kleines bisschen Rest-Realismus muss schließlich schon sein …

Bis dann die Realität zuschlägt.

A propos Geblubber: Bundesverkehrsminister Dobrindt plant angeblich eine Nachrüstaktion für Dieselfahrzeuge. Vor allem für die schönen neuen, die doch angeblich so schön sauber sind. Aber eben nicht sauber genug. Weshalb sie demnächst als teurer, unverkäuflicher Posten Konzernbilanzen verdrecken könnten.

Jetzt wissen wir endlich, wozu diese Pkw-Maut wirklich gut ist: Wir bezahlen damit die Fahrzeuge diverser Dax- und Nicht-Dax-Konzerne, die wir schon einmal bezahlt haben, ein zweites Mal. Sowas kann man echt nicht erfinden. Ist alles real.

War sonst noch was? Der saudische König hat sich angeblich seit drei Tagen auf der Herrentoilette eingeschlossen. Weil er den Dreck von der Hand nicht mehr herunter bekommt, mit der er einer unverschleierten Kanzlerin die Hand geschüttelt hat.

Sie finden das albern? Dann lesen Sie mal den neuesten Unsinn zur sogenannten Leitkultur. Der war ganz real gemeint. Wir sind noch ganz geschüttelt. Nicht gerührt.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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