Rassismus und Espresso

Es gibt Wochen, in denen sollte man eigentlich den Ball flach halten.

Auch wenn man, wie Mesut Özil, Fußballer ist. Der Rassismus-Vorwurf nach seinem Erdogan-Foto war schon ein starkes Stück. Wenn ihn dieser Rassismus über lange Jahre so unfassbar gequält hat – warum nur hat er ihn 92 Länderspiele lang laut- und klaglos ausgehalten?

Sein großes Glück ist, dass ihn die unfassbare Doppelmoral eines Verbandes schützt, der Werte anmahnt und selbst keine hat. Dazu ein Krisenmanagement, das ähnlich pomadig ist wie das Aufbauspiel im Mittelfeld, für das Özil bislang mitverantwortlich war – fertig ist das Anti-Sommermärchen.

Und was lernen wir daraus? Wenn uns schon beim Neben-Thema Fußball mal wieder die gesamte Migrations-Integrations-Islam-wasweißichnoch-Debatte krachend entgleitet, dann wird sichtbar, wo wir in dieser Debatte stehen: immer noch ganz am Anfang. So lange Hysterie auf der einen (linken), echter Rassismus auf der anderen (rechten) und übler Nationalchauvinismus auf der türkischen Seite es so einfach mit uns haben, haben wir es nicht besser verdient.

Weil nur wir Wähler dieses Trauerspiel abpfeifen können. Indem wir a) den echten Nazis – egal welchen Pass sie haben – die Rote Karte zeigen und b) uns mal ganz ernsthaft die Frage stellen, ob der Trainer hier noch alles im Griff hat.

Egal, ob dieser Trainer nun Merkel oder Löw heißt.

Wobei: Die Kanzlerin gibt sich ja wenigstens noch Mühe und versucht, wenn sie nicht gerade in einem von After Eight gespendeten Blech-Kleid in Bayreuth auffällt, ihre notdürftig zusammengezimmerte Große Elends-Koalition auf Trab zu halten. Vom Bundes-Jogi kann man noch nicht einmal das behaupten. Er schweigt und schweigt und schweigt.

Das passt zur WM, bei der er einen Top-Job machte. Als Germanys First Posterboy. Blöd nur, dass sich diese Mexikaner und Südkoreaner nicht ebenso konsequent espressomäßig heruntergechillt, sondern uns mit einem double shot – auf dem Platz, nicht in der Tasse – geweckt haben.

Sind die jetzt deswegen auch Rassisten?

So, und bevor jetzt alle Schnappatmung bekommen: Ja, es gibt Rassismus. Überall. Im Sport, in der Arbeitswelt, im Alltag. Dem müssen wir entgegentreten. Und es gibt genug Menschen, die das jeden Tag tun. Sie sind echte Helden, auf die wir schauen sollten. Und nicht auf einen verwöhnten Millionär, der seine Millionen der Integrationsbereitschaft verdankt, die dieses Land trotz aller seiner Fehler für ihn und viele andere jetzt und in Zukunft an den Tag legt. Und der, wenn er sich vergaloppiert hat, lieber richtig zündelt, anstatt zu Verstand zu kommen.

War sonst was? Moment bitte, das Telefon klingelt. Nein, Donald, diese Woche kann ich nichts für dich tun. Die anderen waren einfach besser als du. Nein, und du versuchst jetzt nicht, ein besserer Rassist zu werden. Lern lieber die Fußballregeln. 2026 kicken wir schließlich bei dir. Ohne Özil.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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