Raketen auf Sandkästen

Es gibt Wochen, die sind ganz schön haarig.

Nicht deshalb, weil wir noch bis zum 4. Mai warten müssen, bis die Friseursalons wieder geöffnet haben. Es gibt Schlimmeres. Nein, weil wir die bepelzten bisherigen Hauptverdächtigen in der gesamten Corona-Thematik – Sie wissen schon, Rhinolophidae oder Hufeisennasen-Fledermäuse – möglicherweise exkulpieren müssen. Nicht sie, sondern ein Chemielabor im chinesischen Wuhan soll möglicherweise die Brutstätte des Virus gewesen sein.

Also wenn das stimmt, dann … Moment bitte, das Telefon klingelt. Der Sprecher der Vereinigten Gewerkschaften der Flatterviecher, ein gewisser Drac Ula. Er habe schon immer gewusst und habe auch Beweise … Die müssen jetzt warten. Habe ihm zum Trost ein paar Blutorangen geschickt. Vitamine können nie schaden.

Wo waren wir? Richtig, Wuhan, Labor. Massive Vorwürfe in diese Richtung erhebt nun der Top-Rechercheur Donald T. aus W. Ja, genau der, der auch schon herausgefunden hat, dass Belgien eine wunderschöne Stadt ist, dass man Hurrikane mit Atombomben stoppen kann und dass ein entscheidendes Momentum des Sieges im Unabhängigkeitskrieg 1775 die Kontrolle über die Flughäfen war. Also dieser Top-Informant will jetzt von den Chinesen wissen, was Sache ist.

Seine größte Sorge ist angeblich die Zahl 19. Nein, nicht weil er auf einmal auf seinem Lieblingsgolfplatz ein 19. Loch gefunden hätte. Sondern auch das rein pandemisch: Wenn wir jetzt mit Covid-19 zu kämpfen haben – was, wenn die Chinesen die anderen 18 Versionen auch noch aus dem Sack lassen? Angeblich lässt ihn dieser Gedanke noch schlechter schlafen als der an Joe Biden und vegane Burger zusammen.

Fairerweise muss man sagen, dass Donald T. nicht alleine ist mit seiner Top-Theorie. Auch Wissenschaftler, Militärs und Journalisten äußern sich in diese Richtung. Wie umgekehrt China verbreiten lässt, das Virus sei aus den USA eingeschleppt worden. Mein Virus, dein Virus. Meine Oma hätte gesagt: Dann haut Euch jetzt im Sandkasten so lange, bis ihr müde seid.

Aber nicht mit Atomraketen! Und auch nicht mit Handelssperren. Für die sorgt schon Corona verheerender, als ihr das jemals könntet!

Interessant erscheint in diesem Zusammenhang eine Studie, der zufolge vor allem die Länder besser mit der Krise zurechtkommen, in denen Frauen das Sagen haben. Da wird man als Mann schon ein ganz klein wenig … Moment bitte, das Telefon klingelt.

Eine Martina Söder, die mir ihre weiblichen Krisenrezepte in den Block diktieren wollte. Habe ihr den VHS-Kurs „Mehr Erfolg durch Opportunismus“ geschenkt. Hat sonst doch keine Chance in dieser gnadenlosen Männerwelt, die Arme.

Bleibt noch der Haushaltstipp der Woche. Ein Politiker formulierte ihn vor einigen Tagen gegenüber Journalisten so: „Die Empfehlungen der Leopoldina kannst du dir auch aufs Klo hängen.“ Danke, jede Spende hilft – Papier ist schließlich immer noch ganz schön knapp.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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