Radioaktive Smoothies

Es gibt Wochen, in denen muss man einfach mal den Hut ziehen.

Vor Wladimir Putin zum Beispiel. Er hat kürzlich öffentlich wieder einmal klargestellt, dass es in seinem Russland völlig egal ist, was gerade so genau auf seiner Visitenkarte steht. Er bleibt trotzdem der Chef. Und wenn es einem Geheimlabor in Swerdlowsk endlich gelingt, entsprechende lebensverlängernde Smoothies zu produzieren, ist er das auch noch in hundert Jahren.

Schon eiskalt, wie der das durchzieht. Das kann nicht jeder. Siehe Deutschland: Der Versuch, das hier auch einmal so anzugehen, darf in weiten Teilen als gescheitert angesehen werden. Weil das Chefin-Nachfolge-Simulationsmodell doch tatsächlich eigenen Ehrgeiz durchschimmern ließ. In Russland löst man sowas dann mit radioaktiven Metallen oder der Androhung, aus ihnen Smoothies zu brauen. Was nicht wirklich nett ist. Aber im Sinne einer dynastischen Nachfolgelösung zielführend.

Das richtig Imponierende aber ist die Emotionslosigkeit, mit der Putin agiert. Man könnte sich gut vorstellen, wie er im Fernsehen – natürlich seinem eigenen Sender – nacheinander die Wettermeldungen, Gaspreise, den nächsten hybriden Krieg und die Bekanntgabe des Namens, wer unter ihm als Nächster Staatschef ist, darbietet. Null Show, maximales Ergebnis. Da ist die Welt durchaus mehr Drama gewohnt. Zum Beispiel alte Männer, die sich wochenlang einschließen, um den nächsten alten Mann zum Anführer zu küren (Vatikan und China). Oder „bsoffene Gschichtn“, an deren Ende es immer noch einen Kurzen gibt (Österreich). Oder so eine Art Flaschendrehen, bei dem man zittert, ob sich dubiose Milliardäre, Komiker oder Nazis durchsetzen (Italien). Irgendwo ist echt immer was los.

Der absolute Knaller aber ist natürlich die Western-Version, deren nächste Folge gerade wieder in Cinemascope auf uns zurollt. So eine Dramaturgie kannst du echt kein zweites Mal erfinden. Der wahre Champ aller Champions schaut über Monate zu, wer als „Last (Wo)Man Standing“ übrig bleibt, um dann gegen ihn, den größten Betriebsunfall all dessen, was sich mittlerweile unter der Überschrift „Demokratie“ versammeln darf … Moment bitte, das Telefon klingelt.

Donald, alter Blitzmerker. Ja, die Rede war von dir. Wie meinen? Du findest das alles auch überflüssig und würdest das gerne künftig so regeln wie dein Mentor aus dem Eis? Dir ist schon klar, dass du nicht sein Format hast? Warum? Okay, ich versuche, es dir zu erklären: Während er in den zurückliegenden zehn Jahren das größte politische Comeback eines Landes seit dem Untergang des Römischen Reiches hingelegt hat, hast du aus dem zuvor unangefochtenen Tabellenführer ein hyperaktives Sorgenkind gemacht.

Bei uns wird übrigens auch bald wieder gewählt. In Hamburg. Spitzenthema: Radwegebau. Manchmal ist es also wirklich gut, kein Rad ab zu haben. Auch wenn das nicht jeder zu schätzen weiß.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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