Oma und der dreckige Apfel

Manche Wochen erinnern einen an liebe Menschen. Zum Beispiel meine Oma. Meine Oma war eine sehr kluge Frau, von der ich viel gelernt habe. Manchmal, wenn sie ganz entschieden Position beziehen wollte, sagte sie: “Es gibt Dinge, die tut man nicht.” Glauben Sie mir, danach war immer Ruhe im Karton …

Ganz bestimmt hätte sie ihren Satz in dieser Woche gleich zwei Mal entschieden mit Blick auf die AfD benutzt. Zum einen, weil der rheinland-pfälzische AfD-Landesvorsitzende Uwe Junge von Unbekannten in Mainz angegriffen worden ist. Zum anderen, weil der AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen in Bezug auf eine angebliche Zusammenarbeit mit der NPD mindestens unvollständig zitiert worden ist.

Auch im Umgang mit der AfD müssen unbedingt allgemein anerkannte Maßstäbe gelten. Erstens und unbedingt aus Prinzip. Zweitens, damit aus den wahrlich zahlreichen – vorsichtig formuliert – gewagten Behauptungen dieser Partei am Ende nicht doch vermeintliche Wahrheiten werden. Gewalt und Wortdrechseleien zählen definitiv nicht zu den Maßstäben, die man an dieser Stelle braucht. Es gibt tatsächlich Dinge, die tut man nicht.

Was meine Oma wohl zu Donald Trump gesagt hätte? Ich weiß es nicht. Vielleicht “Wenn das meiner wäre …”

Trump hat in dieser Woche wieder einen absoluten Brüller geliefert, den man ob seiner Chuzpe schon fast bewundern muss. Erst reist er – Hauptsache Publicity – nach Mexiko, also in das Land der “Vergewaltiger und Drogendealer” (Trump), vor dem er die USA mit einer Mauer schützen will. Dann fährt er nach Arizona zurück, also direkt hinter die Grenzlinie, und lässt verlauten, dass Mexiko diese Mauer bezahlen müsse und es lediglich noch nicht wisse.

Für wie blöd hält dieser Mann alle außer sich eigentlich? Glaubt er, dass die amerikanischen Wähler im Hirn schon so atomisiert sind, dass sie keinerlei Zusammenhänge mehr herstellen können? Trump ist eine gefönte Wette auf Löcher im Kurzzeitgedächtnis. Verliert Amerika diese Wette, verlieren wir alle mit.

Ach Oma. Früher war weiß Gott nicht alles besser. Aber irgendwie hat man das Gefühl, dass du es zumindest öfter mit Politikern zu tun hattest, die sich einfach mehr Mühe gaben, nicht nur Sprechpuppen zu sein.

Jetzt stehen wir hier und heute und – schaffen das? Hm. Vor ziemlich genau einem Jahr hat die beste Kanzlerin, die die Republik je hatte, ihren berühmten Satz gesagt. Wir wissen mittlerweile, dass er nicht spontan war, sondern eine kalkulierte Geste. So führt man im Jahr 2016, Herr Trump: Mutti nimmt alle in den Arm, und dann… Ja und dann? Fragen wir mal Herrn Caffier …

Kennen Sie Lorenz Caffier? Müsste normalerweise nicht sein. Aber jetzt doch. Caffier ist CDU-Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern und hat unter anderem wegen des Merkelschen “Wir schaffen das” einen ziemlich schweren Stand. Was sagt er eigentlich zur Flüchtlingspolitik? “Wir machen das.”

Genau so ist es. Muss es auch. Mit allem, was an Arbeit und Korrekturen dazu gehört.

Rechte Rattenfänger gehören trotz allem, was man gegen Merkel sagen kann, nicht dazu.

Zum Schluss noch etwas Obst. Äpfel. Apple – Sie wissen schon, dieser lustige Konzern, der Hunderte von Fantastillarden von Dollar gebunkert hat – soll 13 Milliarden Euro Steuern nachzahlen. Firmenchef Cook hat die Berechnungen “politischen Dreck” genannt. Ist es natürlich nicht. Dreck ist es, sich so lange künstlich arm zu rechnen, bis andere, denen das Steuergeld eigentlich zustünde, arm sind oder es werden.

Das war’s dann wieder – bis nächste Woche.

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