Ohne Leitung keine Trolle

Es gibt Wochen, in denen verabschiedet sich jemand. 

Der Sommer zum Beispiel. Aber nicht nur weil der Kalender vorgerückt ist, befällt einen aktuell ab und an ein leichtes Frösteln. Zum Beispiel, wenn Donald Trump es bewusst offen lässt, ob er denn einen knappen Wahlausgang akzeptieren würde. Klar, wenn er als Sieger feststünde, dann bestimmt. Aber wehe wenn es anders herum … Moment bitte, das Telefon klingelt.

Donald, alter Putin-Praktikant. Wie meinen? Diesen Demokraten sei einfach nicht zu trauen? Oder meinst du diese Demokratie?

Mit tiefgekühlten Liebesgrüßen aus Moskau hat Putin seinem Liebelingspraktikanten jetzt einen neuen Pakt vorgeschlagen. Nein, blöderweise keinen zur Abschaffung von Atomsprengköpfen. Das wäre ja mal ein echter Fortschritt gewesen. Nein, es ging um die Einmischung beziehungsweise Nicht-Einmischung bei Wahlen. Putins Angebot: Wenn du mich in Ruhe lässt, lasse ich dich in Ruhe. Ein echtes Abkommen unter Ehrenmännern.

Fast jedenfalls. Wenn man bereit ist, zwei klitzekleine Details zu übersehen. Zum einen, dass es in Russland nach 20 Jahren Putin nichts mehr gibt, das den Namen Wahl verdient. Und somit auch nichts, in das man sich interessengelenkt einmischen kann. Und zum zweiten, dass die Einmischungskompetenz ziemlich ungleich verteilt ist. Bevor Trump auch nur die Idee der Andeutung der Ahnung der Skizze einer Vorstellung eines Plans hat, wie er der russischen Wählerschaft mal Fake News andrehen könnte, hat Putin schon halb Facebook als getarnte Trolle unter Waffen. Mal gespannt, wann unser Lieblings-Dealmaker im Weißen Haus merkt, dass das Sonderangebot aus Sibirien in Wahrheit ein ziemlich faules Ei ist.

Bei so viel Fröstel-Nachrichten möchte man am liebsten komplett abschalten. Das taten dieser Tage die Bewohner der blühenden walisischen Metropole Aberhosan. Immer morgens, pünktlich um 7 Uhr, fiel das Internet aus. Das garantierte zwar ein trollfreies Frühstück. Aber irgendwie wollten die Waliser trotzdem weiter konsumieren, was sie bezahlt hatten. Also rückten Legionen von Technikern an und fanden des Rätsels Lösung: einen Rentner, der um 7 seinen Uralt-Fernseher einschaltete, der so stark strahlte, dass es das Internet mit der Angst bekam und einen Bogen um die einzige Leitung nach Aberhosan machte. 

Ob es sich bei dem Fernseher um ein russisches oder chinesisches Fabrikat handelte, ist nicht überliefert.

Wegen Strahlung Angst hat man auch am Niederrhein. Weil die holländischen Nachbarn zwecks Bekämpfung des Klimawandels in großem Stil wieder Nukleartechnik installieren wollen. Oder zumindest darüber nachdenken. Röhrenfernseher, AKWs, russische Eier – irgendwie fühlt sich alles wieder so 80-er an. Damals war es auch kälter. Kommt alles wieder. Sogar der liberale Altherrenwitz, weil Christian Lindner schon lange nichts mehr einfällt. Außer Sätzen, für die er schon vor 40 Jahren zurecht von jedem Rednerpult weggebuht worden wäre.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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