Not, Notstand, am nötigsten

Es gibt Wochen, in denen bricht der Notstand aus.

Ja Donald, dein Stichwort, ich weiß. Jetzt könntest du sie endlich bekommen, deine Mauer an der Grenze zu Mexiko. Aber lass uns das dir noch einmal erklären: Das Wort „Notstand“ enthält das Wörtchen „Not“. Ein Notstand herrscht also eigentlich nur dann, wenn jemand in Not gerät. Wobei, das passt ja. Es gibt ja tatsächlich jemand, der in Not geraten ist.

Du. Du bist in Erklärungsnot. Weil du allen denen, die glauben, es sind die bösen Einwanderer, die ihnen die Butter vom Brot nehmen und nicht die milliardenschweren Steuervermeider, versprochen hast, eine Mauer zu bauen. Okay, das ist echte Not. Dann bau sie, die Mauer.

Blöd nur, dass man sie bequem umfahren können wird. Aber dann hast du bestimmt schon die nächste Idee: Du schüttest den Golf von Mexiko einfach zu. Schwieriger wird es dann vor der kalifornischen Küste. Aber wo ein Donald ist, ist auch da eine Lösung. Wie wäre es dort mit einer weltweiten Zentralsammelstelle für den Plastikmüll, der in den Meeren herumschwimmt? Den lässt du von San Diego bis L.A. als Barriere festmachen. Das schreckt auch hart gesottene Schlepper ab, und in Indonesien wird man dann am Strand endlich wie über Sand statt über Colaflaschen ins Meer laufen können.

Wir sehen: Echter intellektueller Notstand ist gar nicht so übel. Man muss nur an den Blödsinn glauben, den man selbst verzapft.

Quasi in Dauer-Not befindet sich Theresa May. Sie wissen schon, die Trümmerfrau, die den Brexit in irgendetwas Gutes verwandeln soll. Das ist allerdings schwierig, wenn der Kern der Geschichte ziemlich genau so läuft: Da beschließt jemand, sich freiwillig und im Vollbesitz der geistigen Kräfte ein Bein abzuhacken. Danach stellt er sich vor den Spiegel und sagt „Jetzt kann ich doppelt so schnell laufen wie vorher.“

Beim ersten Schritt fällt er natürlich hin und schreit nach einer Prothese. Die will er aber nicht selbst bezahlen, sondern von den anderen gesponsert haben, die ja so böse zu ihm waren, dass er sich des natürlichen Beines zuvor überhaupt erst entledigen musste. Vollbesitz der geistigen Kräfte ist offenbar ein auch nach unten dehnbarer Begriff.

Spaß, dabei zuzusehen, macht das natürlich trotzdem nicht. Über den Donald und seine olle Mauer kann man noch lachen. Sie ist für die USA bezahlbar und wird nichts ändern. Aber was sich auf der Insel abspielt, tut echt weh. Es war allerdings auch dort eine künstlich herbei gequatschte Not, die die komplette Thematik überhaupt erst ausgelöst hat. Und somit lautet die Moral der heutigen Geschicht: Mit dem Notstand spielt man nicht. Sonst hat man ihn nämlich bald tatsächlich. Und er lohnt sich nie. Man hätte bloß uns Deutsche fragen können, wie das mit Mauern im allgemeinen so ausgeht. Egal, ob man sie aus Beton in die Wüste knallen will oder nach dem siebzehnten lauwarmen Ale in zu viele Köpfe.

Das war’s dann wieder – bis nächste Woche.

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