Neuer Trainer bei in Washington

Es gibt Wochen, in denen musst du dich konzentrieren.

Auf die wirklich wichtigen Nachrichten zum Beispiel. Etwa diese: Niko Kovac wird Trainer des FC Bayern München.

Ausstiegsklausel im Vertrag, der Lockruf des Geldes, und Präsidien, die wissen, was sie wollen – die Welt des als Sport getarnten Unterhaltungszirkus ist in mancher Hinsicht wunderbar einfach. In schwächeren Momenten wünscht man sich, sie ließe sich auch auf die Politik übertragen.

Stellen wir uns beispielsweise vor, in Washington ginge statt des Wählers ein Scout auf die Suche nach einem neuen Trainer für das Weiße Haus. Ansage: „Wir haben genug von diesem kompetenzbefreiten Irren, der offenbar beweisen will, dass sich über Twitter mindestens sowas wie die Neuauflage der Kuba-Krise provozieren lässt. Wir brauchen jetzt mal was Ruhiges. Seriöses. Zur Not sogar jemand, der nachdenkt, bevor er sein Smartphone vollballert.“

Fündig würde dieser Scout dann etwa in Berlin. Gut, Angela Merkel hat eigentlich dort noch drei Jahre Vertrag. Aber derlei lässt sich doch regeln. Durch eine garantierte Befreiung Deutschlands von Strafzöllen für die nächsten 20 Jahre oder etwas Ähnliches.

Allgemeines Aufatmen in Washington, Rätselraten in Berlin. Wer zieht denn jetzt im Kanzleramt die Strippen? Der Scout marschiert wieder los, mit folgendem Persönlichkeitsprofil: „Wir brauchen jemand, der angstfrei ist, Volksparteien für überholt hält und weiß, wie das Digitalzeitalter funktioniert. Und wenn nicht das, dann wenigstens Facebook.“ Wo landet man damit? Richtig, in Paris.

Emmanuel Macron würde dann also den hiesigen Politikbetrieb entrosten. Als Ablöse müsste Deutschland allerdings nach Opel noch eine weitere Automarke drauflegen. Nach kurzem Überlegen entscheidet man sich für Daimler.

Warum? Na ja, da sind doch jetzt eh schon die Chinesen massiv eingestiegen. Sollen sich doch die Franzosen damit rumschlagen. Was unserem ausgefuchsten Trainerscout gleich den Weg zu seinem nächsten Auftrag weist. Ist doch jetzt an der Seine ein Posten vakant. Tätigkeitsprofil: „Asiate, der schon alles erreicht hat, jetzt mal massiv Schampus und die schönen Seiten des Lebens genießen will. Das bisschen Politik klärt sich beim Digestif.“ Und zack – hat Xi Jinping den Job. Als Morgengabe verspricht er, einen Kurs für seltene Fremdworte zu belegen. Meinungsfreiheit und so‘n Gedöns.

Der Scout schmunzelt und liest das letzte Profil, mit dem er sucht: „Stärkstes Land der Welt. Keine Fake News, weil keine freie Presse. Ungehinderter Zugriff auf Atomraketen, Weltraumprogramme und Bargeldreserven. Krach mit Russland optional immer möglich.“ Wir ahnen, wer postwendend in Peking einschwebt. Dass es dort kein Twitter gibt – na gut, ein bisschen Schwund ist immer.

Und damit hat sich unser fiktives Personalkarussell einmal im Kreis gedreht und stoppt. Und das ist auch gut so. Bevor noch der Putin einsteigen will. Ganz so schlecht ist das mit diesem Wählen wohl doch nicht – auch wenn es Mühe macht. Aber offensichtlich lohnende. Alles andere ist eben doch nur Zirkus.

Das war’s dann wieder – bis nächste Woche.

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