Mut zur Lücke

Man wird wirklich zunehmend zwiegespalten: Auf der einen Seite tut es keinem Land und keiner Regierung gut, wenn der Chef oder die Chefin zu lange amtiert. Diesen Satz muss sich trotz aller ihrer Verdienste auch Angela Merkel gefallen lassen. Jeder weiß, wie müde sie 2019 wirkte, wie sie ihre Nachfolgeregelung als Parteivorsitzende verstolperte und somit auch die Kanzlerkandidatur der Union ins Ungefähre abdriften ließ. Aber dann kam auf der anderen Seite Corona. Inmitten dieser größten Herausforderung ihrer Amtszeit machte Merkel auch nicht alles richtig. Aber sie machte viel weniger falsch als viele andere. Auch deshalb kommt Deutschland bislang deutlich besser durch die Krise als viele andere Staaten. Nicht wenige wünschen sich daher mittlerweile manchmal nur noch halb heimlich, dass die Kanzlerin doch wieder antreten solle. Allein, das sollte sie sich und uns trotz aller Stärken, die sie noch einmal an den Tag gelegt hat, ersparen. Ihre Glaubwürdigkeit wäre massiv beschädigt, und die Brüche, die seit der Flüchtlingskrise auch wegen Merkel als Reizfigur die gesellschaftliche Debatte prägen und eins zu eins in die Corona-Demos gelangt sind, würden weiter anhalten. Man kann vieles schaffen, wenn man will – auch Abgänge in Würde. Es wird früh genug klar werden, welche Lücke Merkel lassen und wie schwer es fallen wird, sie zu schließen. Scholz oder Söder könnten es vielleicht, Spahn, Habeck oder Baerbock (noch) nicht. Deutschland braucht also Mut zum Epochenwechsel. Mitten in Corona. Wir können das schaffen. Dank Merkel und dank all dessen, wozu dieses Land und seine Bürger trotz aller Probleme weiterhin fähig sind.

Das war’s dann wieder – bis nächste Woche.

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