Messen in Bad Mailand

Es gibt Wochen, in denen hast du den Salat.

Den zum Beispiel: Frankfurt wird wohl um Fahrverbote für Diesel nicht herum kommen. In Darmstadt hält man derweil tapfer durch und glaubt, dass man schon nicht so hart getroffen werden wird.

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Auch die, dass der Vorsitzende Richter, der das Urteil zu Frankfurt verkündet hat, einen Witz gemacht hatte, als er sagte, man könnte sich bei der Ausgestaltung der Verbotszone an der Umweltzone orientieren. Letztere umfasst bescheidene drei Viertel des Stadtgebiets.

Das klingt nach einem einigermaßen unlösbaren Kuddelmuddel. Wir versuchen uns jetzt trotzdem einmal an Lösungen. Hilft ja nix. Dafür begeben wir uns ins Jahr 2019: Im schönen Bad Vilbel – genauer gesagt im dortigen Rathaus – klingelt das Telefon. Am Apparat der Frankfurter Verkehrsdezernent, der seinem Vilbeler Amtskollegen verklickern will, dass er die gesamte Stadtfläche des kleinen Nachbarn als Parkplatz requirieren will: „Machen Sie sich locker, Kollege. Irgendwo müssen die ganzen Diesel, die nicht mehr zu uns dürfen, ja bleiben. In Kelsterbach und Neu-Isenburg rufen wir auch noch an, keine Sorge.“

Die Antwort aus Bad Vilbel ist nicht druckreif. Wir schalten stattdessen nach Mannheim, wo die Firma Daimler Busse baut. Wieder klingelt ein Telefon. Wieder ist der Frankfurter Verkehrsdezernent dran, diesmal mit einer Großbestellung. Er hätte gerne bis gestern 5000 Nachrüstsets für seine Stadtbusse. Der Daimler-Vertrieb lacht einmal laut und sagt, die Frankfurter mögen sich bitte bis 2029 in die Schlange derer einreihen, die auch Probleme haben. Gegen einen Preisaufschlag von 5000 Prozent sei immerhin ein besserer Platz in der Schlange drin.

In Frankfurt bricht langsam Panik aus. Für Elektrobusse – sofern vor 2029 verfügbar – fehlt die Kohle. Also die, um die Stromer zu bezahlen. Was tun? Auf einer Krisensitzung wird die Idee geboren, den RMV anzurufen. Die kriegen doch immer alles hin.

Also klingelt wieder ein Telefon, diesmal in der RMV-Zentrale in Hofheim. Der Verkehrsdezernent präsentiert den staunenden RMV-Strategen die in der Krisensitzung geborene Lösung: Alle S- und U-Bahnen werden jetzt bitte vier mal so lang wie bisher. Dann müssten alle Pendler hinein passen. Auf die Frage, woher man die dafür nötigen Waggons bekommen und wie man diese in die Bahnhöfe stopfen solle, schallt es fröhlich aus Frankfurt: „Uns doch egal. Hauptsache, Ihr habt das Problem jetzt.“

Aber der lustige Dezernent hat wieder Pech. Die vom RMV sind nämlich ziemlich coole Socken: Sie fahren nach dem Telefonat einfach in Urlaub.

Urlaub. Urlaub … Da klingelt es noch einmal – diesmal beim Dezernenten. Ist nicht ein Magistratskollege gerade in Urlaub, in diesem italienischen Luftkurort? Wie heißt er doch gleich? Ach ja, Mailand. Anruf in Mailand. Der Kollege geht dran. „Sag mal, wo stehen bei denen eigentlich die Messstationen für die dreckige Luft?“ „Mensch, jetzt wo du es sagst! Also ich glaube, vorhin am Stadtrand, also mitten im Grünen, da habe ich … Aber ich schaue noch mal nach.“

Geht doch.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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