Meckern in München

Es gibt Wochen, die kommen einem bekannt vor.

Zum Beispiel wegen Horst Seehofers Mottenkisten-Vorschlag, ARD und ZDF zusammenzulegen. Ein sicherer Applausgarant an jedem Stammtisch. Ja, tatsächlich könnte man einmal nachforschen, ob die Zuschauer und Hörer all die TV-Kanäle und Radiosender, die sie für ihre Gebührengroschen so bekommen, denn auch wirklich wollen. Gefragt worden sind sie bisher jedenfalls nie.

Aber natürlich wird jetzt trotzdem exakt gar nichts passieren. Dazu sind vor allem die diversen Landessender für die Politik viel zu nützlich. Ob es hingegen dem Bayern oder dem Brandenburger an sich nützt, wenn er auch hessisches Fernsehen sehen kann? Wer weiß …

Immerhin könnte der Bayer oder der Brandenburger an sich dank des hessischen Fernsehens davon erfahren, dass es Hessen gibt. Und damit nähern wir uns der Stelle, an der es sich lohnt, den Seehoferschen Vorstoß noch einmal zu beleuchten. Wie meinen? Ganz einfach: 16 Bundesländer braucht kein Mensch.

Polizei, Schulwesen, Verkehrsplanung, und, und, und – 16 Bürokratien werkeln da fröhlich vor sich hin, und jede sagt, dass ihre Werkel-Weise die garantiert beste ist. Jeder, der schon einmal versucht hat, in ein anderes Bundesland umzuziehen, weiß, wie prima das klappt mit den 16 Ländern. Auch jeder, der mutig genug ist, eine noch halbwegs intakte Rheinbrücke finden zu wollen (oder überhaupt eine an Orten, wo man sie dringend brauchen könnte), ist immer wieder aufs Neue schlagartig von der Sinnhaftigkeit möglichst vieler Bundesländer überzeugt.

Bayern immerhin würde, so viel ist sicher, auch nach einer – natürlich ebenfalls nie zustande kommenden – Zusammenlegung von Bundesländern übrig bleiben. Ansonsten würde Seehofer nicht nur Angela Merkel, sondern Deutschland mit dem endgültigen Bruch drohen.

Das würden wir natürlich nicht wollen. Deshalb lassen wir den lustigen Horst jetzt einfach weiter lärmen und warten ab, ob er sich auch mal was Ernsthaftes (zu-)traut. Kanzler zum Beispiel. Ist ein bisschen schwieriger als Meckern in München.

Gemeckert hat auch dieser Tage die Berliner Polizei. Die Beamten haben neue Dienstpistolen bekommen. Exakt 1139 Stück. Wobei neu relativ ist: Eigentlich sind es uralte, die in Schleswig-Holstein ausgemustert worden sind und die die Nordlichter dann für ein Euro pro Stück an die Berliner Kollegen weitergereicht haben.

Wenn Ihnen, liebe Leser, also beim nächsten Bummel in Kreuzberg ein Uniformierter entgegenkommt und Sie anhaut “Haste mal nen Euro”, dann seien Sie bitte nicht knauserig. Bedenken Sie vielmehr: Für den Preis von einem Starbucks-Kaffee können Sie in Berlin locker drei Polizisten ausstatten, die für Ihre Sicherheit sorgen. Ist doch super!

Ist es natürlich nicht. Schon allein deshalb nicht, weil die “neuen” Pistolen nicht mehr produziert werden und es Ersatzteile vermutlich nur noch bei Ebay gibt.

Oder die Polizisten machen es wie die Bundeswehr und schrauben immer eine zweite Pistole auseinander, wenn eine erste kaputt ist. Auf diese Weise sind, aufs Jahr gesehen, von 1139 Waffen garantiert immer 23 einsatzbereit. Vielleicht auch 28.

Wer die genaue Berechnung anstellen kann, besteht damit ab 2017 in Berlin die Abiturprüfung in Mathe.

Die Kultusminister beraten noch, ob man diese Frage auch in anderen Bundesländern zur Abiprüfung zulassen kann. Bisher scheitert eine Einigung daran, dass man in Nordrhein-Westfalen noch niemand gefunden hat, dem man sie auch nur hat erklären können. Sie ist einfach zu schwer. Und die Bremer wollen lieber erst darüber diskutieren, ob Polizisten überhaupt Pistolen brauchen. Einstimmiger Beschluss also: Wiedervorlage 2032. Falls die Berliner Knarren noch so lange halten.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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