Mautpflicht für Bananen

Es gibt Wochen, in denen könnte man in Versuchung geraten.

Zum Beispiel in die, sich eine Geschichte auszudenken: In einer Mülltonne im Berliner Regierungsviertel wird ein alter Leitz-Ordner gefunden. Irgendjemand hat mit einem Filzstift “Merkel” darauf geschrieben. Weil das so ist, wird der Ordner nach Wiesbaden ins Bundeskriminalamt verfrachtet.

Was so genau in diesem Ordner drin ist, weiß niemand. Aber der Chef des (fiktiven!) Bundeskriminalamtes, der lustigerweise ein anderes Parteibuch als Angela Merkel hat, nimmt den Ordner trotzdem zum Anlass, öffentlich darüber nachzudenken, ob Merkel Staatsgeheimnisse (anders als der eine oder andere völlig reale Amtsvorgänger) ungeschreddert in die Tonne kloppt. Prompt stürzt Merkel in Umfragen um mehrere Prozent ab. Die nächste Bundestagswahl wird auf dieser postfaktischen Faktenbasis als gekauft und verschoben bezeichnet. Was wiederum ungefähr die Hälfte aller Wahlberechtigten unbesehen glaubt.

Stooop! In der Realität würde das alles oder etwas Ähnliches doch natürlich nie passieren. Jetzt aber mal ehrlich.

Es sei denn, die Realität ist auf einmal – streiche Leitz-Ordner, setze E-Mail – die des amerikanischen Präsidentenwahlkampfes. Bei dem ist es einfach nur allerhöchste Eisenbahn, dass er zu Ende geht.

Fazit, völlig egal, wie diese Wahl ausgeht: In eine solche Bananenrepublik wären die USA zu früheren Zeiten einmarschiert.

Wir blenden zurück über den Atlantik. In die Versuchung, an ein Rückspiel zu glauben, könnte jetzt auch der eine oder andere an das Rationale im Menschen glaubende Freund Großbritanniens geraten. Sie wissen schon, diese Separatisteninsel, auf der zwar keine Bananen wachsen, aber schöne Blütenträume, so von früher, als man dort noch ganz unter sich war.

Dort hat ein Gericht jetzt entschieden, dass der “Brexit” genannte Separatismus vom Parlament abzusegnen sei. Man stelle sich das – natürlich wieder nur rein fiktiv – einmal vor: Das Parlament verbietet der Regierung, eine Mehrheitsentscheidung der Wähler umzusetzen. Es wäre Demokratie im kompletten Rückwärtsgang. Hat sich also was mit Rückspiel.

Sowas muss ja passieren, wenn man ein Land Lügnern wie Herrn Farage, karrieregeilen Zockern wie Herrn Johnson und reichlich unvorbereiteten Premiers wie Frau May überlässt.

Dass US-Präsident Obama ein deshalb aus Downing Street Nummer 10 abgeschicktes Gesuch mit der Bitte um Einmarsch abgelehnt habe, ist aber dennoch ein völlig überzogenes Gerücht, dass wir hier in aller Entschiedenheit zurückweisen müssen.

Statt dessen wolle Obama, so ist aus gewöhnlich schlecht informierten Kreisen zu hören, ab dem 9. November Donald Trump schicken. Und eine Kiste Bananen aus Kuba. Das Kalkül könnte aufgehen: Im üblichen britischen Nebel geht Trump glatt als Doppelgänger von Boris Johnson durch, das merkt kein Mensch.

Der Novembernebel … er ist wieder da. Unheimliche Schatten spuken durchs Blickfeld, Zombiefilme haben Konjunktur. Auch in der Politik regiert das Motto “Manchmal kommen sie wieder”. Projekte, die niemand braucht, der klaren Verstandes ist. Zum Beispiel die Pkw-Maut.

Der als Bundesverkehrsminister getarnte bayerische Vignetten-Virtuose Alexander Dobrindt scheint es tatsächlich hinzubekommen, seine Pkw-Maut EU-kompatibel zu machen. Bürokraten in München, Brüssel und Straßburg liegen sich weinend in den Armen und brüten über Durchführungsverordnungen.

Alle übrigen stellen eine rein fiktive Frage: Warum nicht eine Maut, die sich nach Spritverbrauch und gefahrenen Kilometern richtet? Wäre vermutlich zu einfach. Das würde ja jeder verstehen, und die Umwelt hätte auch noch was davon. Geht also gar nicht.

So schließen wir am Ende wieder mit einer Geschichte: Angela Merkel, die über Dobrindt und andere nur noch den Kopf schüttelt, schickt eine geheime Expedition nach Bayern, die schauen soll, ob da am Ende auch Bananen wachsen. Die Truppe fliegt aber beim Grenzübertritt am Seligenstädter Dreieck auf. Weil der vor wenigen Tagen neu eingestellte Fuhrparkleiter des Bundeskanzleramtes – ein gewisser Horst S. aus I. – empfohlen hatte, das Spionage-Fahrzeug schon mal präventiv mit einer Maut-Plakette zu tarnen.

Das war‘s dann wieder – bis zur nächsten, hoffentlich wieder rationaleren Woche.

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