Lohn der Angst

Es gibt Wochen, in denen stellst du dir die ganz großen Fragen.

Zum Beispiel die: Wie muss es im Kopf eines Menschen aussehen, der einem Gott dadurch zu gefallen glaubt, dass er mit einem Kleinlaster Menschen tötet?

Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht. Aber diese: Es muss die Hölle sein, einen solchen Gott mit sich herum zu tragen.

Frei nach Sartre sind ja immer die anderen die Hölle. Und Barcelona hat es uns wieder gezeigt: Wer die Hölle im Kopf hat, erträgt die anderen nicht. Will es nicht. Kann es nicht. Und deshalb ist der jetzt wieder zu hörende Satz, dass man keine Angst habe oder haben müsse, unglaublich dämlich.

Natürlich muss man Angst haben. Auch wenn Barcelona sich einreiht in die Kette Nizza, Paris, Berlin und London: Gewöhnen kann und wird man sich derlei nie. Aber es gibt verschiedene Arten von Angst. Angst, die einen am Ende nur noch dazu bringt, sich zu verkriechen. Und die, die dazu führt, dass man aufhört wegzuschauen.

Nichts von dem, was uns jetzt trifft, ist über Nacht entstanden. Uns trifft eine in Teilen Jahrzehnte alte Melange aus verfehlter internationaler Politik und Hochrüstung falscher Vasallen bei gleichzeitiger falscher Toleranz gegenüber den Rück-Exporteuren des Krieges in Politik, Wirtschaft und Geistlichkeit, für die der Fahrer eines Minivans nur ein kleiner Fußsoldat ist. Wer noch länger davor wegschaut, gewöhnt sich an die Hölle. Wer das Wegschauen weiter zum Programm erklärt, ist ihr Agent.

Die große Kunst besteht dabei darin, die eigenen Maßstäbe nicht zu verlieren. Die USA demonstrieren aktuell, wie man es nicht machen sollte. In Charlottesville sind in der Hölle gerade keine Zimmer mehr frei.

Ein Zimmer frei wird möglicherweise bald an der Pennsylvania Avenue 1600 in Washington. Nein, das ist nicht die offizielle Postanschrift des Teufels. Der ist ja angeblich intelligent. Es ist die von Donald Trump. Er hat nach Barcelona mit seinem Tweet zu in Schweineblut zu tränkenden Kugeln für Muslime den Irrsinn wie üblich nochmals gesteigert. Er hatte die Wahl: Er hätte Präsident sein können. Aber er hat sich dafür entschieden, sich selbst abzuschießen. Mit Worten, ganz ohne Schweineblut.

Bei uns wird in wenigen Wochen auch gewählt: der Bundestag. Es gibt keine bessere Gelegenheit, als ein Zeichen dafür zu setzen, dass die angstfreien Schlafwagenzeiten vorbei sind. In Wahrheit hat es diese Zeiten nie gegeben, der Glaube daran ist ja genau das Problem. „Null Bock ist so 90er“ schreibt jetzt eine Partei. „Zukunft kann man wollen oder machen“ eine andere. Für sich genommen auch Binsen, aber immerhin schon mal besser als „Weiter so“ mit Pensionsanspruch. Dafür sind die Zeiten einfach zu ernst. Schauen wir also, wie ernst man uns Wähler nimmt. Und nicht nur bis zum nächsten Barcelona sediert.

Das war’s dann wieder – bis nächste Woche.

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