Kruzifixsakrahalleluja

Es gibt Wochen, in denen musst du zu Kreuze kriechen.

Vor der bayerischen Landesregierung zum Beispiel. Gerade als man dachte, es geht nicht stumpfer als „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“, hauen die Münchener Messdiener erst richtig einen raus: Kreuze in öffentlichen Gebäuden – sonst steigt der Engel Aloisius von Wolke Sieben herab und sorgt für ein unvergessliches Halleluja.

Erster Reflex: Die spinnen, die Bajuwaren. Die müssen diesen zugegeben schon 69 Jahre alten Artikel 4 des Grundgesetzes doch auch noch kennen. Unverletzliche Freiheit des Glaubens und so. Anruf in der Münchener Staatskanzlei. Wer ich denn sei? Evangelisch? Na das lasse man gerade noch durchgehen. Noch. Was ich wissen wolle? Artikel 4? Schallendes Gelächter. In Paragraf 4 der Vereinssatzung des FC Bayern München sei eindeutig geregelt, dass das Geschäftsjahr des Vereines vom 1. Januar bis zum 31. Dezember dauere. Von Religion stehe da nichts. Müsse es auch nicht. Mia san schließlich mia. Aufgelegt.

Zweiter Reflex: Recherche. Jeder hat eine zweite Chance verdient. Auch die Bayern. Vielleicht haben die ja echte Probleme. Vielleicht ist ja zwischen Aschaffenburg und Ampermoching eine Vampirepidemie ausgebrochen. Dagegen könnte man Kreuze gut gebrauchen. Aber Pustekuchen: Die einzigen Vampire zwischen Main und Isar sind die Finanzbeamten. Aber das ist nicht ungewöhnlich und ganz generell eine andere Geschichte.

Die meinen das offenbar wirklich ernst. Europa wird nicht länger am Hindukusch verteidigt, sondern in Hindelang und Hittistetten. Dann ist also hier jetzt auch Schluss mit lustig: Das letzte Mal, als man es in Europa beim Thema Integration von der Kanzel herunter versucht hat, hat man sich danach dreißig Jahre lang bekriegt.

So, und bevor sich jetzt alle aufregen: Natürlich müssen Menschen islamischen Glaubens, die seit Jahren zahlreich zu uns kommen, ihren Teil zum Gelingen der Integration beitragen. Und was genau predigen, äh, vermitteln wir ihnen zu diesem Zweck gebetsmühlenartig? Richtig, das Gesetz steht über der Religion. Über jeder. Jeder, Herr Söder. Was genau gibt es daran nicht zu verstehen? Sie sind doch bekanntlich der Freiwilligen Feuerwehr Amerbach sehr verbunden. Hat man Ihnen da beigebracht, einen Brand mit Benzin zu löschen?

In Wahrheit ist die ganze Geschichte vermutlich ganz einfach: Die haben Angst in Bayern. Immer einen auf dicke Lederhose machen, aber wenn sonntags wieder nur drei alte Mütterlein in der Kirche sind, ist natürlich der Islam am morschen Fundament des Abendlandes schuld. Der Glaube lebt vom Glauben? Nicht in Bayern, da wird er verordnet.

Wir holen tief Luft und erinnern uns an – Augsburg. Gut, das liegt eigentlich in Schwaben, aber auch das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls kam aus Augsburg einmal Religionsfrieden. Zugegeben, das war 1555. Aber man kann das ja mal in Erinnerung rufen. Nur so. Vorsorglich. Dass in Bayern das Schulfach Geschichte demnächst durch Weißwurstweitwerfen ersetzt werden soll, ist im übrigen ein bösartiges Gerücht, das wir hiermit entschieden aufessen.

Das war’s dann wieder – bis nächste Woche.

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