Körner gegen den Wahnsinn

Es gibt Wochen, in denen hat man alte Reisebilder im Kopf.

Manchester ist eine Stadt voller Extreme. In ihrer Mitte, am alten Hafen, wo die industrielle Revolution noch zum Greifen nah scheint, und in Sichtweite des kühnen Beetham Tower pulsiert das Leben. Es gibt nicht viele schönere Stadtteile auf der Insel.

Und es gibt – wie so oft in England – die Stadtteile direkt nebenan. Wo graue Ziegel allmählich zu Pulver werden und der Müll auf den Straßen liegt. Nach dem Anschlag war sie deshalb sofort da, die These: In einem Land, das derart voller Extreme ist, muss es ja schief gehen mit der Integration.

So weit so stereotyp. Nach jeder neuen Schreckensnachricht fällt es schwerer, das in Gänze zu glauben. Der Terror ist universell. Er trifft auch Länder, die – vorsichtig formuliert – sozialen Ausgleich nicht wirklich als ihre Kernthemen betrachten. Und gegen die selbst die grauen Ziegel-Zonen Englands paradiesisch erscheinen. Sagen wir mal Russland zum Beispiel. Oder Indien.

Manchester ist also nicht ausschließlich unsere Schuld, wie uns manch ein Lautsprecher der political correctness sofort wieder einreden wollte. Auch wenn es mitten in der zumindest für einige Jahrzehnte real existierenden, zentraleuropäischen Komfortzone der Weltgeschichte archaisch klingen mag: Manchmal kannst du echt nichts dafür. Manchmal will dir einfach jemand weh tun. Der Volksmund sagt: Es kann der Beste nicht in Frieden leben, wenn’s dem bösen Nachbarn … Sie wissen schon.

Den Anspruch, noch nicht einmal der Beste, aber einfach nur anständig zu sein, darf man deshalb trotzdem nicht aufgeben. Das ist es ja genau, was uns von denen, die uns weh tun wollen, unterscheidet.

Anständig. Anständig gestaunt haben wir dieser Tage über die schöne Stadt Belgien, wie sie der große Geograf Donald Trump einmal genannt hat. Hat diese Stadt doch jetzt, um den Besucher Trump zu beschützen, eine völlig neue Luftwaffeneinheit eingesetzt. Nein, kein Cyber-Raketen-Dingsbums-Gedöns. Sondern Greifvögel. Die Tiere sind darauf trainiert, verdächtige Drohnen aus der Luft zu pflücken.

Jagen mit Vögeln. Kommt irgendwie alles wieder. Angeblich kann die Bundeswehr sowas ähnliches auch schon: Der G20-Gipfel in Hamburg soll vom Kampfmöwengeschwader „Sturzflug“ beschützt werden. Ist übrigens auch in anderer Hinsicht praktisch, so ein gefiederter Rekrut. Er sammelt keine Nazi-Devotionalien und ist mit ein paar Körnern als Sold zufrieden. Sogar Geld spart er also.

Gespart hätte sich die SPD besser auch etwas. Nämlich die völlig verstolperte Vorstellung ihres Programms für die Bundestagswahl. Spätestens wenn eine Radiomeldung mit dem Satz beginnt „Die SPD hat ihr Wahlprogramm verteidigt“, weißt du normalerweise, dass etwas gründlich schief gelaufen ist.

Normalerweise. Aber nicht die SPD. Auf die ist Verlass. Die weint, dass sie doch wenigstens sowas wie ein Programm habe. Die olle Merkel aber noch nicht. Ähm … Wie erklären wir das jetzt? So: Leute, das ist es doch gerade! Martin Schulz scheint allen Ernstes der Nächste sein zu wollen, der einen Pudding an die Wand nageln will. Viel Glück.

Vielleicht kann man sich am Ende dieser kleinen Kolumne also einfach mal was wünschen. Was Vater Staat so machen könnte mit dem vielen Steuergeld: Montags bis freitags so viel in Bildung investieren, wie er das sonntags so gerne erzählt. Unsere Kitas, Schulen und Erwachsenenbildner schützen uns besser als alles Cyber-Raketen-Gedöns, Betonsperren und – sorry, liebe Tierfreunde – sogar Vögel. Wenn du deinen Gegenüber als Menschen erkennst und lernst, was dich und ihn zu einem solchen macht, wirst du wesentlich seltener ein Fußsoldat des Wahnsinns.

Das war’s dann wieder – bis nächste Woche.

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