König Olaf von München

Es gibt Wochen, in denen ist alles zu spät.

Zu spät etwa, um an Zufälle zu glauben. Es war kein Zufall, dass am 5. März 2020 offenbar, wie aus guter Quelle verlautet, Paragraf 122 Absatz 2 der bundesdeutschen Finanzgerichtsordnung zur Anwendung kam. „Juhu“ hüpft das Steuerzahlerherz jetzt vor Freude, geht es der kalten Progression an den Kragen? Oder den Hütchenspielern von Wirecard? Nein, es geht um unser aller Rente. An der ist bekanntlich sicher, dass sie immer weniger abwirft. Und jetzt noch dieser Paragraf …

Was hat es mit ihm auf sich? Wir bemühen die alte Juristenweisheit, der zufolge der Blick ins Gesetz die Rechtsfindung erleichtert, und lernen folgendes: Der Paragraf zählt zu den sogenannten Königsparagrafen, der ausgewählten Menschen – also nicht Ihnen, liebe Leser, oder mir – exklusiven Zugang auch zu höchsten Gerichten ermöglicht. Und so wie es aussieht war es am 5. März Olaf Scholz, der seinen Königsweg beschritt – zum Bundesfinanzhof. Sie wissen schon, DER Olaf Scholz, der so gerne Kanzlerkandidat wäre. Für eine Partei, die immer noch vorgibt, sich vor allem für kleine Leute zu interessieren.

Was wollte der Olaf aber denn in München, beim Finanzhof? Wohl das Schlimmste verhindern. Na okay, dafür wird er ja bezahlt. So Schaden vom Volk abwenden und so. Und das ist die Stelle, an der es jetzt möglicherweise etwas trickreich wird. Denn möglicherweise wollte Olaf, der Robin Hood aus Rahlstedt, tatsächlich das Schlimmste verhindern. Für den Bundesfinanzminister. Der er zufällig auch ist. Dessen Problem: Seit 2005 werden in Deutschland die Renten besteuert. Bislang wollten weder der Olaf noch seine Vorgänger auf die Einwände von 21 Millionen Rentnern hören, dass man für die Rente bereits lebenslang Beiträge gezahlt habe. Und dass doppeltes Abkassieren in diesem Land eigentlich verboten ist. Sowas kann doch Robin Hood nicht erschüttern. Lieber abkassieren und nebenan Grundrente verteilen, passt besser zum Image.

Aber vielleicht dämmert ja auch dem Olaf, dass das, was man ausgibt, irgendwo eingenommen werden muss. Wenn nicht gerade Corona ist. Ist halt blöd, dass die wenigsten Rentner eine Fluglinie oder einen Fußballverein besitzen und sich darüber für irgendeine der aktuellen Großgießkannen qualifizieren können. Nö, Rente läuft weiterhin old school: Die gehst ein paar Jahrzehnte auf die Maloche, und dann sagt dir der aktuell amtierende Olaf, was du bekommst. Aber weil der Bundesfinanzhof jetzt in diese Suppe spucken könnte, hat Olaf nun den Königsweg Nummer 122 beschritten und bekommt im Verfahren zur Rentenbesteuerung volle Akteneinsicht.

Gerechtigkeit und Recht sind nicht immer deckungsgleich. Trotzdem glauben wir natürlich felsenfest an das Gute in Justitia und sind wie der Olaf gespannt, was in München … Moment bitte, das Telefon klingelt. Donald, alter Bilanzberserker. Wie meinen? Finanzverwaltung ist sowieso ein Übel? Das sehe ich anders. Und gottlob noch einige amerikanische Richter ebenfalls. Du hast doch bestimmt nichts zu verbergen. Deine Steuererklärungen sind garantiert so solide wie deine Rezepte gegen Corona.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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