Kevin und das Kapital

Es gibt Wochen, in denen musst du nahe liegenden Versuchungen widerstehen.

Zum Beispiel der, auf Kevin Kühnert drauf zu hauen. Sie wissen schon, der lustige Juso-Chef, der in der eigenen Partei mindestens so viele Freunde hat wie Donald Trump bei der Veganen Weltunion Klimafreundlicher Frauenrechtler. Schlägt der lustige Kevin doch glatt vor, Konzerne zu verstaatlichen und Wohnungen zu enteignen. Dazu sage ich … Moment bitte, das Telefon klingelt.

Kevin, alte Heulsuse. Jetzt hör mit der Wortklauberei auf und steh wenigstens zu dem, was du sagst. Kollektivieren heißt verstaatlichen und „nicht mehr Wohnungen als eine“ bedeutet enteignen. Kann man ja fordern als aufrechter Linker, wenn es der Sache dient.

Die Frage ist: Welcher? Wie das ausgeht, wenn Vater Staat es besser wissen darf und soll, was für seine Bürger gut ist als diese selbst, ist durch eine ganze Reihe historischer Experiment hinlänglich belegt. Der Weg von Freiheit und Gleichheit zu Politkommissaren und Spitzeln ist ein ebenso abschüssiger wie kurzer. Das weiß der lustige Kevin auch. Konnte er doch zahlreiche Relikte dieser Experimente in seiner Kindheit in Berlin besichtigen.

Warum fordert er es dann trotzdem? Weil er etwas durchaus richtig erkannt hat: So selbstbestimmt, wie die Bürger sein wollen, sind sie gar nicht mehr. Die sogenannten sozialen Netze, Suchmaschinen und Online-Plattformen haben mittlerweile auch das Allerprivateste kapitalisierbar gemacht. Und Wohnen wird auch deshalb immer teurer, weil das wegen der sogenannten Bankenrettung ab 2009 in aberwitziger Menge produzierte Kapital sich vor allem in Beton höchste Verzinsung suchen darf. Deshalb ist jeder Quadratmeter Mietwohnung vor allem in den Städten mittlerweile mehr wert als Gold. Für die, die sich derlei Besitz leisten können. Für die Übrigen ist das einfach nur übel.

Das alles stinkt dem Kevin. Und schon bekommt Deutschland Schnappatmung? Das ist doch nun wirklich … Moment bitte, da klingelt an der Tür.

Es war der Schwerlast-Paketbote. Er hat mir den Vermögensbericht der SPD und ihrer angeschlossenen Gesellschaften gebracht. Mal sehen … Hui, ganz schön viele Immobilien drin. Werden die jetzt auch, äh, vergesellschaftet? Hm. Wir rufen am besten zurück: Hallo, jemand da bei Sozens?

Niemand da. Nur so eine alte Pförtner-Type namens Schwerhart Schnöder oder so ähnlich, der sagte, ich solle mir meine Frage sonstwohin …

Tja, Kevin. Man muss gar nicht auf dich losgehen. Lohnt nicht. Um den großen Philosophen Christian Lindner zu bemühen: Überlass das Heucheln doch wenigstens den Profis. Die wissen auch, dass sich die Probleme, die du beschreibst, nicht allein dadurch auflösen, wenn man demnächst wieder auf den BMW so lange wartet wie früher auf den Trabi. Dann gibt es nämlich noch weniger Steuern. Also das Geld, das du gedanklich verteilst. Wenn du glaubst oder glauben machen willst, es fällt einfach vom Himmel, bist du auch nicht besser als diese Immobilien-Zins-Haie. Nur dass die gar nicht erst so tun, als seien sie sozial.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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