Kapitänsdinner auf dem Sklavenschiff

Es gibt Wochen, in denen fehlt es irgendwo. An irgendwas. Entscheidendem.

Wissen zum Beispiel. Diesbezüglich unauffällig blieb in letzter Zeit lange die AfD, weil Corona nun wirklich ein Thema für Leute mit Ahnung von der Materie und nicht nur mit Ahnung vom Hetzen ist. Aber wo nun aktuell aus den USA auch andere üble Bilder herüberschwappen, laufen unsere besorgten Lieblingswelterklärer wieder zu intellektueller Höchstform auf.

In Gestalt von Tino Chrupalla etwa. Sie wissen schon, der lupenreine Demokrat, der Journalisten schon mal als „getarnte Zersetzungsagenten“ betrachtet. Nun, Herr Reihenschließungsbeauftragter, dann lassen wir hier mal unsere Tarnung fallen und überprüfen ganz offen Ihre historische Tiefenkenntnis. Chrupalla twitterte nämlich angesichts der Bilder von den jüngsten Unruhen in den USA, dass man an ihnnen mal wieder sehen könne, wohin eine multikulturelle Einwanderung so führe.

Wir sind immer wieder überrascht, wie unterschiedlich man Begriffe doch auslegen kann. Fakt ist, dass bis Mitte des 19. Jahrhunderts tatsächlich gut 15 Millionen Menschen vornehmlich aus Afrika in das Gebiet der heutigen USA kamen. Als Sklaven. Behandelt wie Tiere. Auch, als sie die Sklavenschiffe verließen (wer das noch konnte, zählte schon zu den Glücklicheren). Aber wer weiß. Vielleicht gab es ja doch Schirmchen-Drinks, Netflix und ein Kapitänsdinner auf diesen Schiffen. Und Generationen linksgrünversiffter Archivare in Diensten der Illuminaten haben uns das bis heute verheimlicht. Also: Wenn das so gewesen wäre, könnte man ja vielleicht wirklich von Einwanderung reden. Wenn nicht – dann eher nicht.

Sieht also erst mal schlecht aus für den AfD-Chefhistoriker Tino. Was an seinen Einlassungen aber noch viel lustiger ist, ist der Umstand, dass die Sklaven von jenen geholt worden waren, die die tatsächlichen Einwanderer waren und, wenn sie nicht ihre Sklaven zählten, damit beschäftigt waren, aus dem Land einen Indianerfriedhof zu machen. Manche Zeitzeugen sagen, Letzteres erkläre aktuelle Phänomene der US-Politik, aber wir schweifen ab. Der Tino jedenfalls verdreht also nicht nur die Umstände der „Einwanderung“, sondern auch die kompletten Zeitläufe. Mit solchen Knallerthesen steht einer Tournee durch die intellektuellen Tiefstebenen der Republik leider Gottes vermutlich nichts mehr im Wege. Gerüchtehalber organisiert der Verein „Problembehaftete Einpeitscher gegen informativ doch Abprüfbares (Pegida)“ schon die ersten Zusammenkünfte in … Moment bitte, das Telefon klingelt.
Donald, alte Friedenstaube. Wie meinen? Du willst diesen Chrupalla zum Leiter einer Sonderermittlungseinheit machen, der den wahren Ursachen für den Trouble in Minneapolis … Öhm, ja. Lies bitte mal die Beipackzettel von dem Zeug, was du die ganze Zeit schluckst. So. Wo waren wir? Das Telefon klingelt nochmals. Der amtierende US-Verteidigungsminister. Er hat die Sperrcodes für die Atomraketen an einem sicheren Ort versteckt. In Mexiko. Hinter einer Mauer.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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One Response to Kapitänsdinner auf dem Sklavenschiff

  1. Larpent Marie-Josée sagt:

    Ich freue mich jeden Samstag aufs Neue auf den neuen Blog von Lars Hennemann. (Der oder das Blog? Ich bin Einwanderin, ich mache Fehler! Und bin zu faul, um auf Google das richtige Genus zu überprüfen). Spritzig, erfrischend und humorvoll! Vom regelmäßigen Bloglesen habe ich eine Redewendung gelernt, die mir gut gefällt: „Wie meinen?“ und ich baue sie oft beim Reden ein, ohne dass bei mir das Telefon klingelt und Donald dran ist!

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