In die Wüste mit Nowitschok

Es gibt Wochen, die sind vor allem berühmt.

Weil wir ja alle in Zeiten leben, in denen man berühmter wird, je mehr man dafür berühmt ist, berühmt zu sein. Wenn das gut läuft, bekommt die Welt dadurch eine Greta Thunberg, wenn es egal ist eine Meghan Markle, wenn es übel wird einen Donald Trump. Es besteht weitgehende Einigkeit darüber, dass das einzig wahre Bürgerkriegsrisiko für die USA kein erstrebenswertes Role Model für alle ist, die es auch in die Politik zieht.

Aber so ein bisschen Zucker muss man heutzutage dem Glamour-Affen schon geben, will man irgendwie auffallen. Muss ja alles nicht am Ende so komplett eskalieren wie der Trash-Film im Weißen Haus. Und deshalb sortieren wir jetzt hier mal aus unverfänglichen, aber brandaktuellen Berühmtheitsbeispielen unsere hiesigen Lieblinge. Frei nach dem Motto: „Image ist alles, Inhalte … kommt jetzt, ist mal gut jetzt, ja. Wie komme ich aktuell auf Insta rüber?“

Auf Platz 5: Heiko Maas. Sie wissen schon, unser stets telegener Außenminister, der selbst nach einem Frontalzusammenstoß mit einem Bulldozer wie seinem russischen Amtskollegen Lawrow immer noch aussieht, als könne er George Clooney beibringen, was Eleganz ist. So eine Hülle kannst du immerhin brauchen, wenn du nicht zeigen darfst, dass dir in Wahrheit Nowitschok das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Auf Platz 4: Markus Söder. Bajuwarischer Corona-Bekämpfungslöwe, der allmählich wegen neuer Testpannen zum Bettvorleger wird. Aber weiterhin die nötige Bierruhe weg hat, als sei an der Isar nicht das Licht bei der Pandemieeindämmung, sondern nur das Helle ausgegangen.

Auf Platz 3: Peter Altmaier. An den geht die aktuelle Bronzemedaille in der Kategorie „Schönfärberei macht einen hoffentlich wenigstens selbst froh“. Hat er doch gesagt, dass die Wirtschaft die Corona-Talsohle bald durchschritten habe. Und glatt – so ein Schelm – vergessen zu erwähnen, dass hinter dem Tal durchaus auch eine ziemlich große ziemlich öde Wüste liegen könnte.

Auf Platz 2: Julia Klöckner. Sie wissen schon, die immer gut gelaunte Ministerin für das meistens leider ziemlich gestresste Vieh. Sie will jetzt verbieten lassen, dass Fleisch über möglichst niedrige Preise beworben wird. Das langt für die Silbermedaille in der Disziplin „Bevor wir ein Problem an der Wurzel packen, transportieren wir es lieber irgendwo anders hin“. Dass der Tönnies und seine Gülle-Kumpels ihre Ställe mit mehr Kunden-Kohle kuh-konform nach Feng-Shui ausrichten würden, betrachten wir bis zum Beweis des Gegenteils nur als Gerücht.

Platz 1: Olaf Scholz. Goldmedaillengewinner in der Sparte „Gegen mich ist Teflon ein Magnet“. Seine Behörden haben Wirecard laufen lassen, und jetzt kommt raus, dass schon Cum-Ex – Sie wissen schon, die Gesetzeslücken groß wie Scheunentore, durch die unschuldige Banker und Anwälte Milliarden abzweigten – auch was mit seinem Haus zu tun haben könnten. Aber immer noch als seriöser Kassenwart gelten. Wow. Angeblich will der Söder jetzt bei ihm ein Praktikum machen.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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