Hochzeit auf dem Flugzeugträger

Es gibt Wochen, in denen man vor allem staunt.

Staunt über die Aufregung, die das Thema „Ehe für alle“ doch noch verursacht. Eine Ehe verdient diesen Namen nur dann, wenn sie auf Verantwortung für den jeweils anderen gründet. Egal, ob die Ehe gleich- oder gemischtgeschlechtlich geschlossen worden ist. Entscheidend ist, ob man weiß, was man tut, oder ob man nur eine Show abzieht. Diese Verantwortung haben Heteros nicht exklusiv.

Man staunt aber auch über die Kanzlerin, die wieder einmal einen Salto rückwärts hinlegt und eine weitere, bislang unverrückbar geglaubte konservative Position abräumt. Nach der Energiewende und der Politik der offenen Grenzen jetzt auch der Trauschein für alle. Und nein, wir versuchen jetzt erst gar nicht, da ein Muster hinein zu deuten.

Außer diesem: Frau Merkel ist ja bekanntlich im Osten sozialisiert worden. Noch weiter im Osten (in China, um genau zu sein) lebte einst der chinesische Kriegsherr und Philosoph Sun Tzu. Der hat einmal gesagt: Was du nicht besiegen kannst, musst du umarmen.

Also hat die (westlich von Sun Tzu sozialisierte) Kanzlerin jetzt mal wieder ganz heftig die gesellschaftliche Realität umarmt. Ob aus Klugheit, Einsicht oder Opportunismus – die Wahrheit wird im Auge des wählenden Betrachters liegen.

Nicht jede Ehe hält. Auch das ist nichts Neues. Definitiv am Ende ist die Ehe zwischen CDU und SPD im Bund. Liebe SPD: Aus der Koalition ausscheren, weil man es beim Thema Ehe für alle kann? Kann man machen. Sieht ganz so aus, als sei es ganz am Ende der Legislatur gelungen, die Kanzlerin doch einmal auszutricksen. Aber man sieht sich immer zwei Mal im Leben. Manchmal sogar vor dem Traualtar. Wenn man die Wahl hat. Und die, liebe SPD, hast du, so wie es prozentmäßig aussieht, leider nicht.

Vielleicht hatte die Kanzlerin aber auch nur andere Sorgen. Den G20-Gipfel zum Beispiel. Da wird eine wunderschöne Stadt in eine Festung verwandelt, in der Tausende von Polizisten dafür sorgen, dass Trump und Erdogan sich ungestört daneben benehmen dürfen. Da darf man sich als geneigter Steuerzahler schon fragen, ob das unbedingt sein muss.

Besser wäre es, man würde solche Veranstaltungen in Zukunft auf einsame Inseln verlegen. Klingt doch auch viel besser: „G20 – Angies Club, wo dich niemand stört und hört“. Wir räumen dafür einfach Norderney oder Helgoland. Oder Neuwerk. Das gehört doch sogar zu Hamburg.

Oder man verlegt die ganze Party gleich auf einen Flugzeugträger. Dann muss nur einer dem Trump vorher einen Geografieatlas schenken. Sonst landet am Ende ein Schiff, das nach Europa fahren sollte, vor der australischen Küste. „Ach dieses Neuwerk“…

Auf dem Flugzeugträger bräuchte man dann auch kein Redeverbot für Erdogan auszusprechen. Er könnte zu 30000 Zuhörern sprechen, ohne dass es irgendwie stört. 30000 Möwen. Die geben – anders als diese lästigen Demokraten – auch keine Widerworte. Ist fast wie in einer alten Ehe. Aber nur fast.

Das war’s dann wieder – bis nächste Woche.

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