Gute Nachrichten gegen Blähungen

Es gibt Wochen, in denen du noch an gute Nachrichten glaubst.

Weil es sie gibt. Und wenn es nur ein Gnadenakt eines Autokraten war, der nach wie vor ein solcher bleibt: Die Freilassung Deniz Yücels ist ein guter Tag für Deutschland und die Türkei.

Das wird allerdings mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht jeder so sehen. Etwa diejenigen, die, wenn Herr Poggenburg von der sogenannten Alternative für Deutschland mit Blick auf die Türkei etwa von Kameltreibern, Vielweibern und Lehmhütten brüllt, als Publikum mitjohlen. Ob im Saal, am Bildschirm oder in den asozialen Netzen.

„Kümmelhändler“ hatte der Herr Poggenburg auch noch als Bezeichnung gewählt. Dazu halten wir fest: Kümmel (carvum carvi) ist eines der ältesten Gewürze der Welt, dem nicht nur die Fähigkeit nachgesagt wird, allerlei Gerichte zu verfeinern. Vielmehr hat er auch heilende Wirkung, erst 2016 wurde er zur Arzneipflanze des Jahres gewählt.

Dem Kümmel werden – Achtung, zart Besaitetete sollten sich ab hier anschnallen – „beachtliche blähungswidrige und krampflösende“ Qualitäten zugeschrieben. Hm … Wie sagen wir das jetzt bloß? So: Lieber Herr Poggenburg und alle übrigen Freunde des gepflegten interkulturellen Dialoges! Wenn Sie mal wieder der Verbaldurchfall so sehr quält, dass sie einfach aus rein medizinischer Not – andere Gründe würden wir Ihnen hier nie unterstellen– nicht anders können als sich in das nächste bereitstehende Mikrofon zu erbrechen, versuchen Sie es beim nächsten mal doch einfach mal mit … Tusch … richtig, Kümmel. Gibt es als Tee oder als Öl in jedem guten Reformhaus und ist, wie gesagt, gut gegen Krämpfe und Blähungen aller Art.

Gegen Dummheit ist allerdings bekanntlich kein Kraut gewachsen. Auch der wackere Kümmel ist weiterhin machtlos gegen die unfassbare Idiotie, die in den USA für ein Massaker nach dem anderen sorgt. Jetzt wieder in Florida. In Gottes eigenem Land, wie es sich immer noch nennt, ist das Risiko, von einem bewaffneten Kleinkind erschossen zu werden, um ein Vielfaches höher als das, einem Terroristen zum Opfer zu fallen. Trotzdem lautete die Forderung der Waffenlobby mit Donald Trump an der Spitze: „Bloß keine voreiligen Schlüsse.“

Ist okay, Donald. Wenn man als 17-Jähriger tot unter der Sonne Floridas auf dem Bürgersteig liegt, weil der ehemalige Schulkollege durchgedreht ist und zufällig ein Sturmgewehr zur Hand hatte, hat man ein ganze Menge Zeit. Da muss man nicht mehr voreilig sein und hat stattdessen Zeit für die eine oder andere Frage.

Diese zum Beispiel: Warum ist es in den Staaten schwieriger, ein Bier zu kaufen, als eine Waffe, die vollautomatisch und in allerhöchster Perfektion den Tod verbreitet? Gibt es nicht doch ein Kraut, das wenigstens schlau genug macht, um Antworten auf solche Fragen zu finden? Oder wenigstens die Bereitschaft fördert, Antworten finden zu wollen?

Es gibt eines. Es ist nicht ganz billig, aber sein Geld wert. Es wächst in Schulen. Wir nennen es Bildung.

Das war’s dann wieder – bis nächste Woche.

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