Gurken in Guantanamo

Es gibt Wochen, in denen musst du langsam machen. Zum Beispiel mit dem Wachstum. Aber ohne Wachstum ist irgendwie auch schwierig. Hm. Wie jetzt? Immer dieser Entscheidungsdruck.

Also: Zwischen 2010 und 2020 wird die Weltbevölkerung um fast eine Milliarde Menschen gewachsen sein. Und auch danach wird noch Jahrzehnte zwar langsamer, aber stabil aufwärts gehen. Also so zahlentechnisch. Man muss also kein Nobelpreisträger sein, um festzustellen, dass das mit den Lebensgrundlagen eine endliche Veranstaltung ist.

Schlechte Nachrichten also für alle, die sich gerade mit dem Gedanken der Anschaffung eines Viert-SUV tragen? Fragt man „Extinction Rebellion“ und andere: ja. Weg mit dem Wachstum. Und der Demokratie westlicher Prägung, wenn es sein muss, gleich mit. Ist die doch mit dem Wachstum in den letzten rund 200 Jahren ein ziemlich symbiotisches Verhältnis eingegangen.

Ja, kann man mal so fordern. Vor allem, wenn man eigentlich schon so ziemlich alles hat, was man so bei Licht zum Leben braucht. Gerüchtehalber haben die radikalen Klima-Aktivisten in, sagen wir mal Burkina Faso oder Belize, leichte Probleme, mit ihren Verzichtsappellen auf Akzeptanz zu stoßen. Komisch. Also ich würde total verständnisvoll reagieren, wenn mir jemand einen Status wegargumentieren will, den er hat und ich garantiert nie, wenn ich mich auf die Botschaft einlasse. Ehrlich. Wirklich.

Was also tun? Weiter wachsen, bis die Atmosphäre nicht nur Fieber, sondern chronische Lungenentzündung hat? Mit Sicherheit würde es schon helfen, die schlimmsten Auswüchse menschlicher Dummheit nicht weiter wachsen zu lassen.

Richtig, Donald, das war jetzt dein Stichwort. Was hast du diese Woche so zum Thema Intelligenz in der Politik beigetragen? Alaskas Regenwald zum Abholzen freigegeben, Nationalparks verkleinert und den Schutz von ungefähr 1600 Tierarten löchriger gemacht als Omas mottenzerfressenen Pelz. Ich fürchte, so viele SUVs kann der Rest der Welt gar nicht nicht kaufen, um das rein rechnerisch wieder wettzumachen.

Trotzdem würde ich sagen, dass wir eine echte Chance hätten. Wenn es uns nur gelänge, dich mit diesem brasilianischen Baum-Beseitiger Bolsonaro, dem seine Elektro-SUVs mit Kohlestrom aufladenden Herrn X. aus P. und den Vorstandschefs von KentuckyMcBurger in einen – natürlich klimaneutralen und stromlosen Raum zu isolieren. Also so eine Art grünes Guantanamo. Dort bekommt Ihr dann Trimmräder, mit denen ihr euch den Strom für die vegetarische Küche – heute gibt es übrigens Erbseneintopf – selbst erstrampeln und dabei „Give peas a chance“ singen müsst.

Sie finden das jetzt albern? Aber wie albern ist es, lieber gleich ein ganzes Gesellschaftsmodell in Frage zu stellen, anstatt erst einmal zu versuchen, das Wachstum einiger großer Gurken in den Griff zu bekommen?

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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