Gottes Praktikum im Urwald

Es gibt Wochen, in denen wird es unübersichtlich.

Also so rein religiös gesehen. Nachhaltig verwirrt hat uns etwa der große Befreiungstheologe Jair Bolsonaro. Dass er den Amazonas von Bäumen, sein Land von Demokratie und sein Gewissen von Skrupeln befreit, war uns ja bereits hinlänglich geläufig. Jetzt aber befreit er den bislang gewohnten Messias-Begriff von angestammten Bedeutungen. Er – Jair – sei Messias, aber Wunder könne er nicht vollbringen. Auch nicht, wie er dieser Tage verlauten ließ, gegen Corona.

Weltweit stürzten sich sofort vierzehn Lehrstühle, die vatikanische Glaubenskongregation und der Weltkongress der Experimentalphysiker auf diese Feststellung. Nicht, dass am Ende unser Kosmos in Wanken gerät. Sind wacklig genug, diese Corona-Zeiten.

Eine Erklärung fand freilich niemand. Die Bischöfe in Rom spielten schon Flaschendrehen, um denjenigen auszudeuten, der Franziskus die schlechte Nachricht überbringen sollte, als auf einmal der diensthabende Praktikant im Standesamt von Glicerio um die Kurve geschlurft kam. Sie wissen schon, Jairs Geburtsort. Er sagte: „Entspannt Euch, Ihr Kutten und Nerds. Messias ist sein zweiter Vorname. Steht hier so in seiner Geburtsurkunde.“

Also ich persönlich glaube ja, dass sich seinerzeit ein wackerer Standesbeamter inGlicerio verschrieben hat. So wie der Jair die letzten Urwälder plättet, müsste er mit zweitem Vornamen eigentlich „Messie“ und nicht „Messias“ heißen. Aber das wäre noch eine eigene Recherche. Das mit dem zweiten Vornamen ist allerdings ausbaufähig. Donald John Trump zum Beispiel. John ist von Johannes abgeleitet, was so viel bedeutet wie „Gott ist gnädig“. Ähm, also, uff, jaaaaa, ich bin kein Theologe und will hier auch bestimmt nicht blasphemisch werden. Aber wenn das Gottes Gnade ist, die da gerade auf uns niedergeht, dann Gnade uns Gott, wenn er mal ungnädig werden sollte. Oder wir müssen schauen, mit welchen Göttern wir es dies- und jenseits des Atlantiks zu tun haben. Vielleicht ist da imLauf der Jahrhunderte ein bisschen was verrutscht. Kann ja schon mal was aus dem Lot geraten, so durch die Erdkrümmung oder so. Wenn man daran glaubt, dass die Erde eine Kugel ist. Was ja im Reich von Donald dem Gnädigen auch nicht mehr jeder tut.

Wir machen uns trotzdem geradewegs weiter auf die Suche. Viktor Mihaly Orban. Mihaly kommt von Michael, was so viel heißt wie „Wer ist wie Gott“? Tja, liebe Ungarn, ich fürchte, Euer oberster Demokrator versucht genau das mit zunehmend (un-)heiligem Ernst herauszufinden. Weiter geht‘s. Emmanuel Macron heißt hinter dem Emmanuel Jean-Michel, also Johann-Michael. Alle auf einmal. Klar, drunter machen es Napoleons Nachfolger nicht. Und unser aller Kanzlerin? Angela Dorothea. Gottes Geschenk. So, jetzt reicht‘s. Bevor die ersten Aluhüte wieder „Systempresse“ brüllen, schaue ich lieber stur nach Wien. Sebastian Kurz heißt einfach nur kurz Sebastian. Felix Austria. Nein, Felix heißt da niemand! Die haben halt wieder Glück, unsere lieben Nachbarn!

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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