Geschichte wird gefärbt

Es gibt Wochen, die sind ziemlich haarig.

Weil urplötzlich Fotos von Donald „Make America Orange Again“ Trump im Internet kursierten, die ihn mit grauem Schopf zeigten. Der Erste, der jetzt sagt „Das war die vermutlich klügste Entscheidung seiner bisherigen Präsidentschaft“, gewinnt ein Wellness-Wochenende in Guantanamo.

Natürlich brummen die sozialen Netze seither wie Bienenstöcke. Macht Trump jetzt einen auf seriös? Oder ist ihm nur das Färbemittel ausgegangen? Fragen über Fragen. Zum Niederknien die Erklärung, die die Historikerin (kein Witz) Alexis Coe bei den Kollegen des transatlantischen Polit-Fachmagazins „Vogue“ lieferte: „Ich denke, er will den amerikanischen Bürgern die Botschaft vermitteln, dass er ebenfalls leidet. Es geht um den Anschein – Trump versucht, von seiner gefährlichen und manchmal tödlichen Kommunikation über das Coronavirus abzulenken.“

Wusste gar nicht, wofür man heutzutage alles Historiker braucht. Bin schon gespannt, wann uns der erste Mediävist den Dresscode von Kim Jong-Un erklärt. Aber zurück zu Donald, dem plötzlich Versilberten: Liebe Frau Coe, ich will Ihren zeitgeschichtlich tiefgründigen Analysefähigkeiten wirklich nicht zu nahe treten, aber ich glaube, das einzige, was der einzig wahre Präsidentendarsteller mit seiner Umlackierung hinbekommen hat, ist noch mehr Leute zu erschrecken als ohnehin schon. Weil die jetzt wahrscheinlich alle glauben, das Display ihres Smartphones sei kaputt.

Politik hat schon immer über Optik funktioniert. Erinnert sich noch jemand an die Diskussion hierzulande, ob Gerhard Schröder nicht haarfarbentechnisch ein wenig nachhilft? Für die Jüngeren unter uns: Der Schröder war der Mann, der vor Merkel Kanzler war. Also gefühlt kurz nachdem Polycolor, die erste Färbemittelserie für Endverbraucher, 1947 in die Läden kam. Wo waren wir? Richtig, Schröder, garantiert nicht gefärbtes Haupt. Was waren das für Debatten. Die Bundesrepublik schrammte knapp an einer Staatskrise vorbei. Die den Gerd so mitnahm, dass er sich später mit Haut und Haaren dem Putin auslieferte. Der ist zwar mittlerweile fast kahl, hat aber gerade erst Russland bis 2036 auf Monarchie frisiert. Und somit vermutlich auch dem Gerd noch für eine Weile Cash für den Coiffeur gesichert.

Smarter Move also. Also vom Gerd. Bei dir, Donald, bin ich mir nicht sicher. Ich will ja keine Haare spalten, aber wie aus gewöhnlich gut gefönten Kreisen verlautet, hast du bis vor Kurzem eine Billigfärbepaste namens „Just For Men“ benutzt. Glaube ich sofort, Frauen sind zu klug für sowas. Jedenfalls sah das immer so aus, als hättest du einen überfahrenen Fuchs auf dem Schädel. Das hat sich außer dir echt niemand getraut, das war dein Markenzeichen, Mann! Und jetzt? Jetzt siehst du aus wie dieser Biden. Wer soll Euch denn noch unterscheiden? Okay, sobald erst du und dann er den Mund aufmacht, wird‘s wieder klar. Und genau deshalb sehe ich für dich jetzt erst recht – schwarz.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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One Response to Geschichte wird gefärbt

  1. Larpent sagt:

    Bissig, amüsant und guter Stil! Ich liebe die Blogs von Lars Hennemann!

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