Frauen sind das Böse

Es gibt Wochen, in denen suchst du Vorbilder.

Vorbilder wie Roy Moore. Sie wissen schon, dieser grundsympathische Parteigänger von Donald Trump, der jetzt bei der Senatswahl in Alabama unterlegen war. Das sehen zumindest diejenigen so, die die vier Grundrechenarten beherrschen.

Also er selbst nicht. Er will das Ergebnis nicht anerkennen. Nicht, weil irgendwie beim Addieren was schiefgelaufen wäre. Sondern, weil er nach eigener Ansicht gegen Sodomie, Homosexualität und Abtreibung verloren habe. Und schlechtes Wetter.

Verehrter Mister Moore: Kann es sein, dass Sie unter Ihrem Cowboyhut einfach nur ein kleiner, jämmerlicher, clownesker alter Mann sind? Der zwar, wie man hört, offenbar Frauen jedweden Alters als Freiwild betrachtet, aber, wenn ihm der demokratische Souverän an die eigene Wäsche geht, rumflennt wie ein Dreijähriger, dem man seinen Teddy geklaut hat?

Man könnte – außerhalb von Alabama – ja noch grimmig über solche Witzfiguren lachen. Stünde Moore nicht auch in anderer Hinsicht für einen Trend, der immer weiter um sich greift: das Ersetzen der Demokratie durch gehirnamputierten religiösen Fundamentalismus. Moore selbst wollte schon mal in Alabama die US-Verfassung durch die zehn Gebote ablösen. Damit unterscheidet er sich nullkommanull von Hasspredigern, die die Scharia über das Grundgesetz stellen.

Wohin das wiederum führt, ließ sich dieser Tage besichtigen: brennende israelische Fahnen, Aufrufe zur Vergasung von Juden – mitten in Deutschland. Und nein, das ist nicht die Schuld von Donald Trump und seiner Jerusalem-Politik.

Solcher Hass und solche Verachtung für unser System wird anerzogen und gepredigt. Seit Jahren und Jahrzehnten. In diversen Herkunftsländern sowie bei uns selbst.

Man schäme sich, war angesichts der antisemitischen Ausfälle in Berlin vielfach zu hören. Ich schäme mich auch. Für ein solches windelweiches Geschwätz. Wer als Bürger dieses Landes zu Gewalt gegen Juden aufruft, hat – zu Recht – eigentlich sofort Polizei und Justiz an der Hacke. Wo also liegt jetzt das Problem?

Dort: Egal, ob jemand einen Cowboyhut trägt oder ein Palästinensertuch – wer sich darauf verlassen kann, dass er folgenlos auch die wildeste Hassparole vom Stapel lassen kann, der wird den Staat, der das zulässt, nur noch weiter verachten.

Mal wieder nur Journalistenpanik? Only bad news is good news? Nein. Hören wir zum Beleg noch einmal auf Roy Moore. Für den sind die USA – kein Witz – „das Zentrum des Bösen in der Welt“. Weil von dort so viele böse Dinge ausgehen.

Also Waffenwahn? Schlechte Burger? Noch schlechtere Autos? Nein. Sex, Evolution, Aufklärung, Frauenwahlrecht und sowas. Und die durch die Abschaffung der Sklaverei hervorgerufene gesellschaftliche Orientierungslosigkeit.

Schon klar, Mister Moore. Bitte nur noch einen Moment Geduld, die Männer mit den weißen Kitteln kommen gleich.

Nein, nicht die mit den spitzen Kapuzen. Das könnte Ihnen so passen.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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