Es stinkt der Heinzelmann

Es gibt Wochen, in denen kramst du alte Märchenbücher heraus.

Darin finden sich so lustige Gestalten wie die Heinzelmännchen. Diskrete, unglaublich fleißige Kobolde, die nachts Dinge tun, die man sich am nächsten Morgen nicht erklären kann. Weil sie niemand bei ihrer Arbeit beobachtet.

Die wieselnden Wichtel galten lange Zeit als ausgestorben. Bis man sie im 21. Jahrhundert dort wieder fand, wo man sie nun wirklich nicht vermutet hätte: in den Produktionsschmieden der Autokonzerne. Denn wie, wenn nicht durch Heinzelmännchen, können klammheimlich all die bösen Sachen in die so tollen Motoren kommen, die regelmäßig als dreckige Stinker auffliegen?

Die VWs, Daimlers und Audis dieser Welt können einem echt leidtun. Man will nur das Beste, der Motor fährt quasi mit Luft und Liebe. und dann kommt der Wichtel und bäm – stehst du als Autoboss weinend neben dem Fließband, weil du einfach keine Chance hast. So auch diese Woche in Ingolstadt wieder, als man unter der Blechhaube völlig erschüttert wieder Dinge fand, die woher auch immer kamen. Nur nicht aus dem Konzernregal.

Wir sagen dazu: Verar… können wir uns alleine.

Wobei, bei nochmaligem Nachdenken: Dieses Heinzelmann-Konzept ist als Erklärungsmuster schon praktisch. Und nahezu universell einsetzbar. In Washington zum Beispiel. Da kam es kürzlich zum Äußersten: Donald Trump wollte einmal ein Schriftstück tatsächlich lesen. Um es zu verstehen. Dieses Iran-Atom-Dingsbums. Aber man fand es nicht mehr. Weg, verschwunden. Nur der Heinzelmann weiß, wo es ist. Ja, da bleibt dem armen Donald doch gar nichts anderes übrig als zu sagen „Ich will dieses Abkommen nicht mehr“. Was man nicht kennt, kann man nicht befolgen.

Oder das Geld im Keller des Bundesfinanzministeriums. Davon soll ja nach Expertenschätzung schon so viel vorhanden sein, dass der aktuelle Amtsinhaber seinen Vornamen von Olaf bald in Dagobert ändern kann. Aber wenn du als Steuerbürger mal etwas davon haben willst auf dem Gehaltszettel – ist es weg. Für Hubschrauber, die nicht fliegen. Für Gesundheitskarten, die nicht funktionieren. Für Straßen mit Belag, für die sich jeder Schweizer Käse schämen würde. Und für Schulen, in denen Kinder sich nicht auf die Toiletten trauen. Erklären kann man sich all das auch in Berlin nur mit dem Fleiß der boshaften Heinzelmännchen.

Der Sage nach verschwanden die Heinzelmännchen einst, weil die neugierigen Menschen sie eben doch bei ihrer Arbeit beobachten wollten. Es wäre also doch ein leichtes, auch ihren neuzeitlichen Nachfahren das Handwerk zu legen. Dazu muss man nur in den Spiegel schauen.

Dass es ein Heinzelmännchen war, das dem neuen amerikanischen Botschafter in Berlin jedweden Anstand gemopst hat, ist nur ein Gerücht, auch wenn wir es zu gerne für wahr halten würden. Aber in Wahrheit ist der Typ einfach nur ein Cowboy.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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Eine Antwort auf Es stinkt der Heinzelmann

  1. Bettina Niemczyk sagt:

    Tja, so ist es leider, die Kleinen hängt man und die Großen lässt man laufen…..

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