Er läuft und stinkt

Es gibt Wochen, in denen steigt die Laune erheblich.

In Wolfsburg zum Beispiel. Trotz Dieselskandal verkauft VW nach wie vor Autos ohne Ende. Früher hieß das: Er läuft und läuft und läuft. Heute stinkt er dazu noch, aber das scheint die Kundschaft nicht sonderlich zu stören.

Ist ja auch ein freies Land, dieses VW-Land. Ob sich die Karossen ganz allgemein aber auch deshalb weiterhin so gut verkaufen, weil, wie der große Philosoph Volker Kauder erklärt, ein Auto ein Stück Freiheit sei, das sich niemand wegnehmen lassen wolle?

Für die Politikferneren unter uns: Der Kauder, das ist der von der CDU, der für Mutti Merkel die Bundestagsfraktion sediert und das gerne mit solchen Brüller-Zitaten unterlegt wie diesem: „Die CDU ist kein Zoo, der seltene Tiere zeigt.“ Also immer schön in der Herde bleiben. Ist im Grunde wie bei VW.

Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, Freiheit und so. Kauders Sentenz zum Auto ist, Zoo hin oder her, für sich genommen ziemlich dämlich. Was aber – ganz großes Aber – ebenfalls auffällt, ist: Diejenigen, die dem Auto herkömmlicher Machart – also vorne ein Motor, am Lenkrad ein Mensch und im Kofferraum drei Kisten Mineralwasser – am liebsten gestern den Garaus machen würden, hantieren argumentativ am liebsten mit Verboten.

Das geht dann so: Verbrenner sind ja bekanntlich bäh. Also verbieten. Lenken ist auch viel zu gefährlich, wenn man das selbst macht. ist doch viel schöner, wenn das eines dieser Google-Knutschkugeln selbst erledigt. Und der Gipfel des Fortschritts wird erreicht, wenn ich diese Kugel nicht besitze, sondern sie nur total spontan per Smartphone App buche.

Gut, kann blöd werden, wenn draußen 35 Grad sind, kein Mineralwasser mehr da ist und der Nachbar mit der App mal wieder schneller war. Aber dafür hat die App bestimmt eine Chat-Funktion, in der ich mich mit anderen darüber austauschen kann, dass ich Durst habe. Wird super.

Hat der Kauder am Ende also recht, der alte Fuchs? Falsche Frage. Der Zeitgeist weht ihm einfach zu brutal ins Gesicht. Menschen selbst entscheiden lassen ist sowas von 1954. Wir verlassen uns jetzt drauf, dass andere schon wissen, was gut für uns ist. Und disliken noch diejenigen, die es wagen, aus dem Kuschel-Kollektiv auszubrechen. Gibt es bestimmt auch bald als App. In der Premium-Version mit automatischem Anti-Autonom-Alarm.

Weniger bombig ist die Stimmung bei Attila Hildmann, dem selbst ernannten Messias der Veganer. Als eine Journalistin die Qualität seines Bratling-Burgers anzweifelte, postete er im Netz nach dem Motto „Wer sich noch mal mit mir anlegt …“ Bilder von sich mit einem Gewehr, um sein Verständnis von Meinungsfreiheit einmal ganz grundsätzlich klar zu stellen.

Nein, die sind nicht böse, diese Gutmenschen. Die haben halt nur eine einzige Meinung. Und wenn man ihnen diese wegnimmt, bleibt nichts mehr von ihnen übrig. Wirkt alles irgendwie ziemlich unfrei.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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