Einhörner auf Intensivstation

Es gibt Wochen, in denen blickt man in die Zukunft.

Und die Zukunft liegt wo? Richtig, in Darmstadt. Das zumindest haben in dieser Woche wieder einmal die Fach-Futurologen von Wirtschaftswoche und Immobilienscout24 herausgefunden. In Südhessens Kapitale herrscht so viel Dynamik, dass da alle hin wollen. Und deshalb stecken auch alle jeden Morgen von Groß-Zimmern bis Griesheim im Verkehrschaos. Aber so vom Feeling her hat man dabei als Speerspitze des Fortschritts trotzdem ein gutes Gefühl. Alte Autofahrerweisheit: Stau ist vor allem dann geil, wenn du ganz vorne stehst.

Aber demnächst wird ja ganz viel Platz zur Verfügung stehen. Denn am 21. November wird ein Verwaltungsrichter seinen Zauberstab auspacken und – peng – sind alle Diesel weg. Darmstadt wird dann Luftkurort, das Woog-Wasser wird als Trinkkur empfohlen, und rund um den City-Tunnel werden regenbogenfarbene Einhörner mit Elektroantrieb grasen. Das hat uns die Deutsche Umwelt-Hilfe versprochen. Wird bestimmt toll, diese Zukunft.

Keine Zukunft mehr scheint die Pressefreiheit in den USA zu haben, wenn das so weiter geht. Der oberste Lautsprecher von God‘s Own Country, Donald „Gegen mich war Al Capone eine pazifistische Klosterschwester“ Trump geht ja mittlerweile im Schutz einer Pressekonferenz auf einzelne Journalisten los. Schon ein echter Held, unsere Lieblings-Föhnwelle. Er geht nur in Kriege, die er gewinnen kann. In dem um den Erhalt seines Rest-Anstandes hatte er nie den Hauch einer Chance. Deshalb versucht er auch gar nicht, ihn zu führen.

Fast immer hilft beim Grübeln über die Zukunft ein Blick in die Vergangenheit. So auch diesmal: Im Jahre des Herrn 1998 begab es sich in einem kleinen Ort in Rhein-Main, dass der Bürgermeister vor dem Einstieg in die Tagesordnung der Ratssitzung folgenden Änderungsantrag stellte: Der Rat möge beschließen, dass die Berichterstattung der örtlichen Tageszeitung vom heutigen Tage nicht wahr sei. Der anwesende und für die Bombenstimmung des Bürgermeisters verantwortliche Journalist brach in schallendes Gelächter aus – und wurde von kräftigen Feuerwehrleuten aus dem Saal eskortiert.

Was lernen wir daraus? So besonders ist der Trump gar nicht. Er hat zwar jede Menge Kameras – und ist doch nur ein Dorfrüpel. Und vor denen muss die Meinungsfreiheit keine Angst haben.

Kommen wir deshalb nun zu den wahrhaft wichtigen Themen. In Frankfurt hat man nach der Landtagswahl eine noch unbestimmte Menge an Wahlzetteln entweder weggeworfen oder aufgegessen. Ganz genau weiß man es noch nicht, die eilig einberufene Soko „Schöne Soße für die Grünen“ ermittelt noch. Am Ende könnte jedenfalls auf einmal die SPD eine Koalition anführen. Da sieht man die ganze Genialität zukunftsgerichteter Politik: Von der Intensivstation auf die Regierungsbank – und das, weil nach Jahrzehnten der Experimente im Bildungswesen kein Mensch mehr rechnen und schreiben kann. Sorry, Freunde, aber über die Amis und ihr Wahlsystem sollten wir uns so schnell nicht mehr das Maul zerreißen.

Das war‘s dann wieder – bis nächste Woche.

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